Zurück nach Europa, von Krisengebieten und Polizisten

Pünktlich um sieben Uhr stehen wir an der Grenze. Überrascht stellen wir fest, dass die georgische Seite schon geöffnet hat und Reisen ohne Verzögerung aus. Auch die russische Seite scheint schon geöffnet zu haben,die Schlange ist kurz. Entgegen aller Erwartungen ist die Einreise nach Russland schnell und einfach abgewickelt. Freundliche Zöllner, die zum Teil gebrochen englisch sprechen und von unserer Tour begeistert sind ersparen uns eine aufwändige Gepäckkontrolle. Nach zwei Stunden sind Autos und Besatzungen eingeführt. An der Grenze treffen wir wieder unsere Begleiter und das Team Tajikspirit. Was für ein Zufall. Die beiden sind eine vollkommen andere Route gefahren.

Gleich in der ersten Stadt auf russischer Seite machen wir Bekanntschaft mit der Militia, der Verkehrspolizei. Unser Konvoi lässt einen Fußgänger am Zebrastreifen stehen und zwei Autos werden zur Kontrolle gebeten. Zwei gut gelaunte Polizisten erklären uns unseren Fehler, entgegen aller Erwartungen wird in Russland auf Zebrastreifen geachtet! Wir kommen mit einer Verwarnung von 1500 Rubel, etwa 20 Euro davon, nicht ohne zu Vodka am Abend eingeladen zu werden. Dankend lehnen wir ab, wir wollen heute noch bis Elista.

Da unser Frühstück aufgrund der kurzen Wartezeit an der Grenze flach gefallen ist halten wir an einem kleinen Kaffee am Straßenrand. Die Speisekarte ist einfach gehalten. Es gibt Borsch und Salat. Rote Beeteeintopf bei 34°C im Schatten? Es gibt in diesem Moment nichts besseres!

Unsere weitere Route führt uns durch Kabardino-Balkarien, eine autonome Republik, vor deren Durchreise das auswärtige Amt dringend abrät. Da die Alternative Tschetschenien ist entscheiden wir uns für die lange Tour über Stavropol. Außerdem sollen die Straßenverhältnisse hier durchweg gut sein. Wir passieren die innerrussiche Grenze ohne Probleme, die Soldaten und Grenzposten interessieren sich für unsere Tour, die vielen ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Auf der Route passieren wir weitere Checkpoints der Militia ohne Probleme. Hier werden scheinbar Drogenschmuggler gesucht. Als wir Kabardino-Balkarien verlassen haben wir keinen Unterschied zum anderen Teilen des Landes festgestellt. Überall am Straßenrand wird Gemüse verkauft, die Straßen sind gut, die Menschen freundlich. Lediglich das hohe Polizeiaufgebot zeugt von der problematischen Sicherheitslage.

Vor uns erstreckt sich jetzt das Stavropolplateau. Den Kaukasus mit seinen schroffen Felsen können wir nur noch im Dunst erkennen. Ansonsten gibt es hier nichts, absolut nichts. Sonnenblumenfelder deren Passage über eine viertel Stunde dauert sind keine Seltenheit. Ab und zu sieht man einen Hof am Horizont, das wars. Interessant sind die Bushaltestellen, die hier fernab jeder sichtbaren Zivilisation errichtet sind. Für wen bleibt fraglich.

Als es dunkel wird erreichen wir Stavropol, entschließen uns aber aufgrund der guten Straßen bis nach Elista weiter zu fahren. Hinter russischen LKWs, die uns, ähnlich einer Lokomotive mit 100 kmh über die Landstraße ziehen fahren wir durch die absolute Dunkelheit.

Kleines Beispiel? Eine Orange Warnlampe an einem Zebrastreifen erblickt man aus ca. 10km Entfernung. Man macht sich für die nächste Polizeikontrolle bereit. Nach 5 km erblickt man das beleuchtete, blaue Schild, nach weiteren 3km vermutet man eine Baustelle, und fährt schon mal etwas langsamer. Ca 500m vor dem Objekt erkennt man es und ist verwundert, dass man sich schon seit 10 Minuten Gedanken darum gemacht hat.

Wir erreichen Elista und checken im Hotel ein. Hier im russischen Niemandsland kostet eine Übernachtung im Hotel mit echtem Plattenbaublick übrigens 4700 Rubel für fünf Personen. Knapp 14 Euro pro Nase. Müde nach 17 Stunden on the Road fallen wir ins Bett.

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