Ab ins Nichts

Und, was haben wir die letzten zwei Tage gesehen? Nichts!

Aber eins nach dem anderen. Als wir Freitag morgen aufstehen ist von dem nächtlichen Regen nichts mehr zu sehen. Nicht ein Mal Tau hat sich auf unseren Zelten gebildet. Die Steppe hat den Schauer einfach aufgesogen. Wir packen zusammen und machen uns auf den Weg. Von anderen Teams haben wir erfahren, dass die Straßen besser werden sollen. Und das werden sie! Die Buckelpiste von gestern hätten wir nicht 3000km durchgehalten. Weder Mensch noch Material.

Auf fast Schlaglochfreien Straßen kommen wir zügig voran. Bemerkenswert ist die Hohe Zahl der Kurven etwa alle 100 km kommt eine, links oder rechts. Um die Gefahr dieser seltenen Straßenform zu verringern werden alle Kurven rechtzeitig und nicht zu übersehen angekündigt. Über der Straße hängt eine undefinierbare Dunstschicht, deren Ursprung wir nach ca. 3 Kurven, etwa 300km feststellen. Die Steppe brennt! Ein vermutlich alljährliches Phänomen, das hier niemanden stört. Wie viele tausend Hektar hier brennen lässt sich nur schwer vorstellen.

Bis zur Stadt Oral folgt die Straße dem Fluss Ural, der Fluss mit seinen bewaldeten Ufern stellt die einzige Abwechslung für’s Auge dar. Als wir nach Osten abbiegen wird die Landschaft atemberaubend. Es wird von Kilometer zu Kilometer trockener, kaum vorstellbar bei der kahlen Steppe von heute morgen. Wir durchqueren Landschaften in denen wir über hunderte Kilometer, das ist nicht übertrieben, kein Haus kein Wasser, einfach nichts sehen außer der Straße und ab und zu einer Stromleitung.

Als es zu dämmern beginnt erreichen wir die „Stadt“ Qopda. Es gibt einen Laden, wir kaufen Brot, Käse,  Speck,  Butter und Bier. Gleich hinter der Stadt schlagen wir unsere Zelte auf. Die Zelte stehen früh und so können wir endlich wieder kochen. Es gibt Bratkartoffeln und Bohnen, dazu Gurkensalat. Nach 750 Kilometern bei 33 °C sind es die besten Bratkartoffeln überhaupt. Wir trinken kasachisches Bier, übrigens sehr zu empfehlen, und gehen ins Bett. Morgen erwartet uns die Wüste.

Als wir aufwachen hat sich der Rauch am Himmel verzogen. Scheinbar hat es aufgehört zu brennen. Wir starten früh denn heute wollen wir zum Schiffsfriedhof nach Aral. Eine lange Strecke, die wir nur bei guten Straßenverhältnissen bewältigen werden. Die Landschaft hat sich in den letzten 700 Kilometern nicht geändert,  heute wird sie es wohl auch nicht tun.

Kurz bevor die Straße nach Süden abbiegt bekommen wir noch einmal Super Benzin, vermutlich das letzte Mal bis Kirgisistan. Wir füllen unsere Benzin- und Wasservoräte auf und gehen kasachisch essen. Schaschlik ist aus, wir bekommen vermutlich Ziegenfleisch mit Kartoffeln und Buchweizen. Sehr lecker! Es ist schwer vorstellbar, aber die Steppe wird noch karger, die Landschaft noch weiter. Es ist schwer in Worte zu fassen aber hier ist wirklich nichts. Ca. 200 km weiter im Süden ändert die Steppe ihr Gesicht. Hier stehen keine Bäume mehr, keine Sträucher. Niedriger, vertrockneter Bewuchs ziert den sandigen Boden. Wir sind in der Wüste angekommen.

Am Abend erreichen Sie wir Aral, eine ehemalige Hafenstadt am Aralsee. Wir haben Glück, von anderen Teams hatten wir erfahren, dass es hier kein Benzin gibt. Wir fahren eine Tankstelle an, an der viele einheimische stehen. Der Tanklaster steht noch an der Tankstelle. Seit zwei Stunden gibt es wieder Benzin. Wir tanken und fahren durch den Ort zu unserer ersten Nacht in der Wüste. Hier einen geeigneten Platz zum Schlafen zu finden ist wirklich einfach. Es gibt Nudeln mit Pesto zum Abendessen und wir schauen uns den fantastischen Sternenhimmel an.

Morgen geht es zum Aralsee, oder dem was davon noch übrig ist.

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