Führt der Weg zu den Sternen durch die Wüste?

Am morgen machen wir uns auf den Weg zum Aralsees. Leider ist die Schotterpiste, der wir 60km folgen müssten, in einem nicht besonders guten Zustand und wir entschließen unseren Boliden dieses Leid zu ersparen. Die Buckelpisten hier haben schon einige Spuren hinterlassen. Stattdessen beschließen wir den ehemaligen Hafen von Aral zu suchen, denn man darf es nicht vergessen, hier in dieser tristen Wüstenstadt gab es einmal Wasser in Hülle und Fülle. Die alte Wasserlinie ist noch zu erkennen, allerdings ist es nicht vorstellbar, dass hier einst das Wasser so hoch gestanden haben soll. Dahinter erstreckt sich eine endlose Wüste ohne jede Erhebung. Man kann nur erahnen, wie groß dieser See einst war.

Wir füllen unsere Wasservorräte wieder auf, hier in der Wüste brauchen wir 4 bis 5 Liter Wasser pro Person und Tag, und das ohne wirkliche körperliche Anstrengungen, und verlassen die Stadt Richtung Südosten. Nächster Tagesordnungspunkt ist das Kosmodrom in Baikonur. Wir hoffen auf ein paar hübsche Schnappschüsse von der Abschussrampe, außerdem wollen wir das Raumfahrtmuseum in der Stadt besuchen.

Vorbei an zahlreichen Kamelheerden führt die Straße durch erstaunlich viele kleine Dörfer. Und das hier mitten in der Wüste. Wovon die Menschen hier in der Wüste leben ist nicht ersichtlich. Die Dörfer bieten allerdings eine willkommene Abwechslung. Wir erreichen Baikonur und müssen enttäuscht feststellen, dass die Stadt nur Kasachen und Russen zugänglich ist. Damit schon mal kein Museumsbesuch. Auch die Fahrt zum Kosmodrom endet frühzeitig. In etwa 25 km Entfernung zur Abschussrampe befindet sich der Eingang zum Gelände. Martin fragt noch beim Zöllner nach, ob es möglich ist das Gelände zu befahren, aber was eigentlich klar war betätigt sich, wir dürfen nicht passieren. Das sovietische Raumfahrtprogramm wurde vor der Bevölkerung geheim gehalten. Wie hält man Raketenstarts geheim? Man verlegt sie in eine Wüste, die erst hinter dem Ende der Welt beginnt. Von den gigantischen Anlagen bekommen wir auch heute noch nichts zu sehen.

Ein wenig enttäuscht verlassen wir Beikonur und essen in einem kleinen Restaurant kasachische Gerichte. Es gibt verschiedene Sorten Fleisch mit Nudeln, Kartoffeln und Brühe. Alles erstaunlich lecker. Frisch gestärkt setzten wir unsere Fahrt fort. Unser neues Tagesziel: Noch ein paar Kilometer zurücklegen bis die Sonne tiefer am Horizont steht und die Tageshitze endlich den angenehmen Abendtemperaturen weicht.

Wir verlassen die Wüste und kommen in das Gebiet des Flusses Syrdarja, einem Zufluss des Aralsees, der diesen über die Sommermonate nicht mehr erreicht, sondern vorher in der Wüste versiegt. Die Landschaft ändert sich. Rechts und links der Fahrbahn stehen Brusthohe Bücher, zum Teil sogar noch mit grünen Blättern. Das ist das erste Grün, dass wir sehen, seit wir die Berge in Georgien verlassen haben. Die Steppe ist hier von unzähligen Kanälen durchzogen, die das Wasser des Flusses in die ehemaligen Baumwollanbaugebiete der UDSSR verteilen. Mit der Dämmerung suchen wir uns eines dieser alten Baumwollfelder zur Übernachtung aus. Auffällig ist, dass es hier so gut wie keine Insekten gibt. Es liegt die Vermutung nahe, das der massive Einsatz von Pestiziden in dieser Region die Fauna vernichtet hat und bis heute gering hält.

Am Abend wissen wir, für uns führt der Weg zu den Sternen nicht durch die Wüste.

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