Der Ak-Baital Pass

Am Morgen müssen wir einige Leiden erleiden. Wir haben zu neunt in einem kleinen Raum auf Teppichen geschlafen. Die einen leiden unter Schlafmangel, aufgrund der nächtlichen Lautstärke (Grüße an Team Boozebrothers), die andern haben Rücken oder leiden noch immer an Höhenkrankheit. Auch das tadschikische Frühstück kann uns nicht so recht munter machen. Ein Teller Milchreis und ein Stück trockenes Brot. Andere Länder, andere Sitten.

Wir brechen auf und machen gleich am Karakul See Halt. Ein fantastischer Anblick bietet sich uns. Der See strahlt tiefblau vor einer wirklich kitschigen Gebirgskulisse. Wir nutzen die Gelegenheit und füllen unsere Wasservorräte auf und machen uns auf den Weg nach Murghab, der ersten Stadt in Tadschikistan am Pamir Highway. Das Wort Highway hat übrigens nichts mit dem amerikanischen Highway zu tun, sondern damit, dass er zum größten Teil auf über 4000 Meter Höhe verläuft.

Halbwegs intakte,  asphaltierte Abschnitte wechseln sich mit katastrophalen Waschbrettpisten ab. Die chinesische Grenze immer in Sichtweite schlängelt sich der Highway durch die schneebedeckten Berge, die hier auf über 6000 Meter reichen.

Auf halber Strecke kommt uns ein Geländewagen entgegen, er gibt uns Lichthupe und blockiert uns den Weg. Heraus springt der Offizier der gestern  mit unseren Papieren nach Murghab aufgebrochen ist. Offenbar wieder trampend und gut gelaunt. Er hat schon alles vorbereitet, wir müssen nur noch unterschreiben. Dann zahlen wir eine Gebühr von 25 Dollar pro Fahrzeug und tauschen unsere Papiere gegen seinen Pass. Alles ganz einfach.Im Nachhinein betrachtet ist das eine Geschichte, die aus einem schlechten Traum stammen könnte.

Kurze Zeit später erreichen wir den zweithöchsten Pass der Welt. Der Ak – Baital führt uns in 4655 Meter Höhe. Zum Glück sind die Straßen in einem akzeptablen Zustand und die Autos kommen problemlos nach oben. An einem Hang grast eine Herde Yaks. Irgendwie verrückte Welt hier.

 

Auf dem weiteren Weg bessert sich die Straße. Fast vollständig asphaltiert und in ungewohnt gutem Zustand. Einmal fehlt eine Brücke, aber das ist schon Jammern auf hohem Niveau. Wir erreichen Murghab ohne Probleme und sind etwas erstaunt, was man hier unter Stadt versteht. Eine Lose Ansammlung von Hütten, aber es gibt alles, was man zum Leben braucht. Ein Lenindenkmal, eine Post, eine Polizei, drei Banken, mindestens drei „Tankstellen“ und ein Hotel mit Restaurant. Dieses Suchen wir umgehend auf, das Frühstück war doch sehr karg. Es gibt Plov und Suppe. Seit langem besteht die regionale Küche mal nicht aus Fleisch mit Zwiebeln, sondern aus Reis, Gemüse und etwas Schaf. Sehr gut!

Nach dem Essen tanken wir 92 Oktan Benzin, die weiteren Details dieser Aktion bleiben einem Gespräch in keiner Runde vorenthalten. Unsere Versuche Post-und SIM Karten zu erwerben und Geld zu wechseln scheitern an dem Umstand, dass Wochenende ist. Wir machen uns wieder auf den Weg, solange bis die Sonne untergeht. Noch im Hellen schlagen wir unser Lager auf. Der Wind pfeift eisig durch das Tal und wir fallen früh ins Bett. Wir waren heute den ganzen Tag in über 4000 Meter Höhe. Das schlaucht!

Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass der Sternenhimmel hier noch imposanter ist, als in der Wüste. Wir sind sicher 300 km von der nächsten Straßenlaterne entfernt und die Milchstraße erstrahlt in ihrer ganzen Pracht.

 

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