Der Wakhan Korridor 

Nach unserer bisher kältesten Nacht, das Thermometer ist über Nacht auf minus fünf Grad gefallen, wachen wir alle, geweckt von der Sonne früh auf. Allerdings zieht sich das morgendliche Treiben in die Länge. Die Kälte und der eisige Wind machen uns etwas zu schaffen. Tagsüber waren es noch knapp dreißig Grad. Das Wetter hier oben ist schon gewöhnungsbedürftig.

Wir starten trotzdem zeitig, denn wir wollen heute weit kommen, nur der Weg steht noch nicht ganz fest. Es gibt zwei Alternativen. Entweder im Hochgebirge bleiben, oder einen Schlenker nach Süden machen. Der zweite Weg führt und dann durch den so genannten Wakhan Korridor, direkt an der afghanischen Grenze entlang. Fraglich ist allerdings, ob der Pass befahrbar ist, die Bedingungen sollen sich hier oft ändern. Wir bevorzugen jedoch diese Route, da wir sonst wohl schon Dienstag Duschanbe erreichen.

Die Passstraße ist als solche erst mal schwer zu erkennen. In der Einöde sind einige Fahrspuren zu erkennen, das wars. Wir versuchen es trotzdem. Mit unseren äußerst geländegängigen Boliden erklimmen wir den Pass in 4300 Metern Höhe trotz widriger Straßenverhältnisse relativ problemlos. Am Pass treffen wir ein paar Jäger, die Marco Polo Schafe jagen wollen. Sie meinen die Straßen ins Tal seien verhältnismäßig gut. Wir entschließen uns ins Tal zu fahren.

Nach wenigen Kilometern erreichen wir einen tadschikischen Grenzposten. Die Grenze nach Afghanistan ist keinen Steinwurf mehr entfernt. Nachdem unsere Passdaten mal wieder auf weißen DIN a4 Seiten notiert wurden können wir unsere Reise fortsetzen. Zu unserer linken erstreckt sich der Hindukusch, zur rechten der Pamir. Und wir mitten drin!

 

Die Straße ist befahrbar, mehr Lob ist nicht zu verlieren. Das Panorama allerdings ist wunderschön. Teils führt die Straße direkt am Ufer entlang, teils gleicht die Landschaft dem Grand Canyon. Der Weg ist direkt in den Fels geschlagen,teils von Geröll bedeckt. Ca. 80 km, also vier Stunden nach dem Grenzposten erreichen wir eine oasenähnliche Landschaft und die ersten Dörfer. Wir sind inzwischen nur noch etwa 3000 Meter hoch. Es wachsen wieder hohe Bäume, hier wird Getreide angebaut, es wächst Obst und Gemüse. Die Menschen an der Straße begrüßen uns fröhlich. Es sieht wieder nach Zivilisation aus,die erste die wir in Tadschikistan sehen. Auffallend ist die Sauberkeit in den Dörfern. Es herrscht eine bemerkenswerte Gegenlichtstimmung, als wir bei tief stehender Sonne gen Westen fahren. Im gesamten Tal liegt ein feiner Staub in der Luft. Vorrausfahrende Fahrzeuge verschwinden einfach in ihrer eigenen Staubwolke. Durch die Sonne fährt man auf eine helle Wand zu.

Unser heutiges Tagesziel sind die heißen Quellen von Bibi Fotima. Wir kämpfen uns noch einmal acht Kilometer den Berg hinauf bis wir die Quellen erreichen. Als wir ankommen ist es acht Uhr. Wir haben nach zehn Stunden Fahrt ohne längere Pausen ca. 200 km zurückgelegt. Die Anstrengungen haben sich aber definitiv gelohnt.

 

Wir finden ein kleines Hotel direkt neben den Quellen. Der Inhaber erklärt uns das Bad sei geschlossen, er könne es uns aber aufschließen lassen. Das lassen wir uns nicht zwei mal sagen. Vor dem Essen springen wir noch eine halbe Stunde in das warme Naturbad. Aus dem Fels strömt ein schnell fließender, ca. 40 Grad warmer Bach in mehrere Becken. Was für ein Genuss.

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