Ein interessantes Rendezvous 

Am Morgen sind wir früh wach,wir stellen zum letzten Mal die Uhr um. Von der inoffiziellen Pamirzeit zur offiziellen Tadschikistan Zeit. Da wir zwei Stunden bis zum Frühstück haben lassen wir es uns nicht nehmen noch mal in die Quellen zu springen. Zum Frühstück gibt es heute Rührei und Bratwurst. Dazu Brot und frische Butter. Das gefällt schon besser als das letzte traditionelle Frühstück.

Wir machen uns auf den Weg, denn heute wollen wir es bis hinter Korogh schaffen. Das sind zwar keine 200km, aber die Straßen werden sich wohl nicht bessern.

Durch zahllose kleine Dörfer führt die Straße immer am Grenzfluss entlang. Die Menschen hier leben von Ackerbau und Viehzucht. Am Wegesrand wird Korn von Hand gedroschen, Ochsengespanne pflügen die abgeernteten Äcker. Ab und zu sieht man einen Traktor. Überall werden wir freundlich gegrüßt.

Gegen Mittag erreichen wir einen Grenzmarkt. Der hat leider nur samstags geöffnet, somit verfällt unsere Chance afghanischen Boden zu betreten. Im nächsten Ort kehren wir in ein kleines Restaurant ein. Zwar ist die Speisekarte lang, aber der Wirt erklärt uns, es gibt Blov. Also essen wir wieder Reis mit Gemüse und Fleisch (Blov).

Wir fahren weiter Richtung Korogh, da hat Johnny seine erste „Panne“. Der originale Unterfahrschutz hat sich inzwischen in Wohlgefallen aufgelöst und der Öhlwannenpanzer hat sich nach einem heftigeren Einschlag gelöst. Also das Auto auf Steinen aufbocken und wieder hoch hängen. Das Teil ist hier überlebenswichtig! Korogh erreichen wir um kurz nach fünf. Die Banken hier schließen um fünf und sind die einzige Möglichkeit an Somoni, die lokale Währung zu gelangen. Mit USD kann man zwar viel bezahlen, aber man bekommt schlechte Wechselkurse. In manchen Läden werden sie gar nicht akzeptiert. Der einzige internationale Geldautomat zeigt den Windows Blues regen. Also bekommen wir auch keine SIM Karte und Martin muss weiter Blogbeiträge offline vorschreiben.

Bis wir getankt haben sind mal wieder zwei Stunden vergangen und es wird dunkel. Schade, eigentlich wollten wir heute weiter kommen. Im Dunkeln suchen wir kurz hinter der Stadt einen geeigneten Platz zum Übernachten. Wir finden eine Abfahrt von der Straße und auch eine ebene Fläche. Die ist zwar total vermüllt, aber bei den hiesigen Straßenverhältnissen ist an eine Weiterfahrt im Dunkeln nicht zu denken.

Wir kochen Safranreis mit 5g kirgisichem Safran (die Mindestabnahme waren 10g) mit Dosenfleisch und Gemüse. Klingt zwar wie Blov, schmeckt aber besser. Als wir ca. zwei Stunden in gemütlicher Runde sitzen tauchen aus der Dunkelheit vier Gestalten mit Kalashnikovs auf. Wir begrüßen sie herzlich, denn dieser Besuch wurde uns schon von der Rallyorganisation angekündigt.

 

Es sind tadschikische Soldaten auf nächtlicher Patrouille. Sie haben die Aufgabe den hier florierenden Drogenschmuggel aus Afghanistan einzudämmen. Argwöhnisch inspizieren sie unser Lager. Leider sprechen sie weder englisch noch russisch. Nachdem sie verstanden haben, dass wir aus Deutschland kommen setzen sie sich zu uns. Wir dürfen nicht aufstehen, die Soldaten wirken nervös. Wir bieten ihnen Tee an, sie möchten keinen. Die Situation ist nicht bedrohlich, allerdings seltsam da die Verständigung nahezu vollkommen unmöglich ist. Die Soldaten beginnen uns lustige Videos auf ihrem Handy zu zeigen, wir zeigen ihnen Bilder unserer Reise. Aber auch jetzt noch signalisieren sie uns, dass sie wohl die ganze Nacht hier bleiben werden. Da fällt uns ein Zettel aus unserem Roadbook ein, auf dem in vier Sprachen, unter anderem tadschikisch unser Vorhaben erklärt ist. Wir zeigen ihnen den Text, worauf hin die Anspannung bei ihnen merklich weicht. Sie bedanken sich bei uns allen und es folgt ein aufwändiges Fotoshooting. Kurze Zeit später ziehen die vier im Marschschritt ab. Erleichtert gehen wir ins Bett.

 

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