Willkommen in Tadschikistan! 

Am Morgen bekommen wir Besuch. Unsere Nachbarn bringen uns frische Stutenmilch, Brot und eine Art Creme Fraiche, auch aus Stutenmilch vorbei. Außerdem eine Art kugelförmig Trockenkäse. Wir probieren natürlich alles, was uns angeboten wird. Die Milch ist zum Glück frischer als die, die wir vor zwei Tagen probiert hatten. Sie schmeckt gut, man munkelt sie hat den einen oder anderen Kater vertrieben. Die Käsekugeln schmecken salzig sauer. Außerdem saugen sie jede Flüssigkeit aus dem Mund. Gewöhnungsbedürftig, aber nach kurzer Zeit durchaus lecker.

Wir verabschieden uns von unseren Gastgebern und machen uns auf Richtung Grenze. Die wesentlich steiferen Federn der Hinterachse machen sich sofort positiv bemerkbar. Wir setzen auf den Feldwegen wesentlich seltener auf. Als wir die ersten Berge erklimmen fängt es an zu regnen. Das hatten wir nicht mehr seit Transilvanien. Außerdem ist hier wieder eine Grünfärbung des Grases zu erkennen.

Der erste Pass, den wir heute überfahren liegt in 3600 Metern. Eine Höhe bei der, der Leistungsverlust der Fahrzeuge schon deutlich zu spüren ist. Im zweiten Gang schleppen sich die Autos den Berg hinauf, erreichen den Pass auf guten, geteerten Straßen noch ohne Probleme. Wir erreichen eine Hochebene, die in ca. 3000 Metern liegt und tanken ein letztes Mal für die nächsten 800 km voll. Hier gibt es leider nur 80 Oktan Benzin. Zusammen mit dem, was wir noch im Tank haben sollte das Gemisch aber noch ca. 91 Oktan aufweisen. Wir erwarten keine Probleme.

Wir biegen auf die Grenzstraße ab, vor uns Reihen sich die schneebedeckten Gipfel des Transalai Gebirges auf. Ein wunderschöner Anblick. Wir nutzen die Gelegenheit um ein Gruppenfoto vor solch pathetischer Kulisse zu machen. Auf immer schlechter werdenden Straßen erreichen wir die kirgisische Seite der Grenze. Die Ausreise verläuft unproblematisch, danach beginnt der Fahrspaß. Eine ehemals asphaltierte Straße führt 20km lang über einen 4300m hohen Pass zur Grenze. Die Beschreibung „Straße“ ist deutlich übertrieben. Schlaglöcher werden von Steinen, Felsen Asphaltanhäufungen abgewechselt. An einer Stelle musste die Straße einem Bach weichen. Schon bald ist nur noch eine Schotterpiste übrig. Wir lassen etwas Luft aus den Reifen, denn oft genug haben wir zu wenig Grip auf dem staubigen Untergrund. Steilere Passagen sind nur noch im ersten Gang befahrbar, man muss immer darauf achten, dass die Drehzahl hoch genug bleibt, dass der Motor noch ausreichend leisted. Nachdem wir ein paar mal hängen geblieben sind erreichen wir den Pass, kurz darauf die Tadschikische Seite der Grenze.

Jetzt geht die Suche nach Passierschein A38 los. Nachdem wir den Stempel im Pass haben müssen wir es schaffen drei Dokumente für das Fahrzeug zu bekommen. Wir werden von einer Baracke zur nächsten geschickt, es beginnt mit einer Quarantäne Station,was die bezweckt bleibt unklar, sie kostet aber 15 Dollar. Weiter geht’s zum Tierarzt, der händigt uns nach Vorlage des ersten Dokuments und zwei Dollar Bearbeitungsgebühr einen weiteren Zettel aus. Mit beiden zusammen geht’s in die dritte Baracke. Hier bekommen wir für fünf Dollar einen weiteren Zettel. Der Herr zieht sich eine Gasmaske an, schnallt sich eine Sprühflasche um und marschiert zu unseren Autos. Offenbar ist er für die Desinfektion der Reifen zuständig. Wäre das schon mal erledigt. Es ist ca. eine Stunde vergangen als wir das Transport Police „Büro“ erreicht haben. Während dessen haben sich diverse Zöllner ca. fünf Flaschen Bier von uns geschnorrt. Im Büro zahlen wir die Road Tax, vermuten wir zumindest. Hier kann keiner auch nur ein bisschen Englisch. Interessant ist, dass nach jeder der einzelnen Zahlungen der Satz „Welcome to Tadschikistan“ fällt. Aus unserem Roadbook wissen wir, wir brauchen drei Dokumente. Zwei haben wir bereits. Das wichtigste, das temporäre Importformular, fehlt noch.

Also auf zur letzten Baracke, zum Zoll. Hier spricht immerhin jemand ein paar Wörter englisch. Jetzt wird es spannend. Die Zöllner haben keine Formulare mehr. Und jetzt? Der Tadschike ist da ganz pragmatisch! Der Zöllner erklärt uns, dass wir ihn mitnehmen nach Karakul, dem nächsten Ort. Von da aus fährt er weiter nach Murghab, der wieder nächsten Stadt, holt neue Formulare und wartet dort auf uns. Klingt machbar. Dann kommt der Haken. Die Beamten behalten die Pässe der Fahrzeughalter und die Fahrzeugscheine ein, als Pfand quasi. Das ist für uns natürlich der Horror. Ohne Papiere in einem zentralasiatischem Land? Geht nicht! Wir versuchen eine Quittung für unsere Pässe zu erhalten, das ist nicht möglich. Nach einigen Verhandlungen wird der Zöllner, der uns begleiten wird einsichtig. Als Pfand erhalten wir seinen Offiziersausweis und diverse andere Papiere von ihm. Das führt immerhin zu einer Pattsituation. Da es inzwischen dämmert ist das die einzige Lösung wenn wir nicht am Grenzübergang übernachten wollen.

Während die Sonne hinter den Bergen verschwindet hören wir ein letztes Welcome to Tadschikistan und verlassen die Grenze. Jetzt lernen wir erstmals, was eine echte Waschbrettpiste ist. Auf dem welligen Untergrund rappelt das Auto ab Schrittgeschwindigkeit derart, dass einem Angst und Bange wird. Nach kurzer Zeit lösen sich Schrauben der Innenverkleidung, die Türen vibrieren derart, dass man durch den Türspalt schauen kann. Nebenbei bemerken wir, dass wir ca. fünfzig Meter am Grenzzaun nach China entlang fahren. Nach einigen Kilometern Tortur wird aus der Piste wieder so etwas wie eine Straße. Mit den üblichen Symptomen: Schlaglöcher, Asphalthügel, fehlende Abschnitte. Auf dieser traumhaften Straße machen wir die 10.000 km seit Hohentann voll. Im dunklen erreichen wir Karakul, den ersten Ort hinter der Grenze und checken in einem Homestay ein. Wir bekommen traditionelle Kost, die uns nach einem anstrengenden Tag sehr gut schmeckt. Einige leiden unter leichten Symptomen der Höhenkrankheit, hauptsächlich Kopfschmerzen und extremer Müdigkeit. Unser Quartier liegt auf 4000 Metern. Erschöpft fallen wir ins Bett.

Bleibt die Frage, was passiert mit unseren Papieren?

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