Reisebericht

Hohentann nach Duschanbe, zum Nachlesen und Träumen

Ankunft an der Startlocation

Tag 1 – 03.09.2017

Die Laserkatzen sind an der Startlocation in Hohenthann angkommen.
Jetzt gibt es noch ein ordentliches Frühstück und danach wird das coolste Rallyauto gewählt. Wünscht uns Glück 🙂

Um 12 Uhr ist dann endlich der Startschuss für die Rally

Ankunft an der Startlocation

Tag 1 – 03.09.2017

Wir sind gestartet, die Aufregung hat sich etwas gelegt, Tagesziel heute ca. 750 km, bis hinter Budapest… Übrigens, wir haben den Preis fürs coolste Auto geholt Laserkatze #2 konnte mit seiner Außendusche samt Duschkabiene überzeugen :).

Erste Etappe geschafft

Tag 2 – 04.09.2017

Nach mehr als 10 Stunden Fahrt haben wir unser Tagesziel überschritten. Wegen der schlechten Wetterlage sind wir weiter als geplant gefahren, um die Nacht im trockenen verbringen zu können. Nachdem wir das schöne Budapest durchquert haben, konnten wir kurz vor der Rumänichen Grenze einen Rastplatz für die Nacht finden.

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Heute morgen gab es noch eine Stärkung für die heutige Strecke nach Viseu de Sus in Rumänien zur Checkpoint Party mit anschließender Lagebesprechung.

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Uns haben auch noch zwei Bilder von der Startlinie erreicht.

Zweite Etappe zur Checkpointparty

Tag 2 – 04.09.2017

Nach einer verregneten Nacht in Ungarn und einem schnellen Frühstück sind wir früh aufgebrochen um rechtzeitig um 16:00 Uhr am Checkpoint in Rumänien anzukommen. Viseu de Sus ist das Ziel unserer heutigen Etappe. Nach ca. 40km verlassen wir die Autobahn und freunden uns sofort mit Osteuropäischen Landstraßen an. Durch nahezu endlos lange ungarische Dörfer erreichen wir schnell die Rumänische Grenze. Jetzt kann das Abenteuer starten. Wir verlassen den Schengenraum und die Mitteleuropäische Zeitzone. Nach einer schnellen, unkomplizierten Grenzkontrolle wechseln wir unsere erste Fremdwährung.

Rumänien zeigt sich gleich von seiner besten Seite. Es hat endlich aufgehört zu regnen und das erste Pferdegespann überholen wir schon nach ca. 300 Metern im Land. Die Landstraße schlängelt sich durch schier endloslange Dörfer. In den Karpaten beginnt der Fahrspaß. Durch unberührte Wälder führen Serpentinen auf und ab. Wegen des niedrigen Durchschnittstempos läuft uns die Zeit etwas davon. Rettung kommt in Form eines vollbesetzten Reisebusses mit Anhänger. Der Bus mit deutschem Kennzeichen rast über die Landstraße und räumt uns den Weg frei. Ihm zu folgen, gelingt uns zwar nicht immer, am Schluss bringt er uns aber um Punkt 16 Uhr an’s Ziel.

Angekommen am Bahnhof von Viseu de Sous erwarten uns schon einige andere Teams. Wir sind aber längst nicht die letzten. Während wir auf die Nachzügler warten werden wir mit rumänischem Schnaps und Musik empfangen. Um 17 Uhr startet dann das erste Highlight der Reise. Eine zweistündige Fahrt mit der Wassertalbahn tief in die Wälder an der Ukrainischen Grenze. Bei Speis und Trank wird viel erzählt und gelacht. Um halb acht am Morgen fährt der Zug zurück und wir müssen früh ins Bett.

Ein Besuch im Land der Vampire

Tag 3 – 05.09.2017

Heute morgen sind wir nach einer kurzen Nacht mit der Wassertalbahn in’s Tal gefahren. Nach einem gemütlichen Frühstück im Zug machen wir uns auf den Weg nach Transilvanien, dem Reich der Vampire. Nachdem wir Viseu du Sus drei mal angeschaut haben (Verkehrszeichen gibt es nicht viele) haben wir uns über enge Serpentinen aus den Karpaten gekämpft. Vorbei an abenteuerlichen Hängebrücken in steilen Tälern verlassen wir das Gebirge. Durch das rumänische Flachland sind wir schnell nach Süden gereist. Auf frisch renovierten Schnellstraßen in Rumänien (breit wie eine vierspurige deutsche Autobahn, aber ohne Markierung) lernen wir die hiesigen Verkehrsregeln besser kennen. Am Abend gönnen wir uns ein paar Kilometer Autobahn, neu gebaut und unbefahren bevor wir an den transilvanischen Alpen entlang zu einem beschaulichen Campingplatz fahren. Wir freuen uns morgen früh auf die transfogarasche Hochstraße. Die Passstraße führt uns über 2400m und über ca. 830 Brücken durch die Heimat der Vampire.

Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?

Tag 4 – 06.09.2017

Am gestrigen Abend gesellte sich noch das Team Münchner Kindl zu uns, mit dem wir heute gemeinsam weiterreisen. Es war der erste trockene Abend und wir konnten noch im Hellen die Zelte aufbauen. Anschließend haben wir lecker aufgetischt. Bratkartoffeln an einer Bohnen-Tomatenkomposition standen auf der Speisekarte. Mit vollem Magen und frisch geduscht (zum ersten Mal) gingen wir zeitig ins Bett.

Unsere gestrige Hoffnung, dass es von jetzt an trocken bleibt hat sich am heutigen Morgen sofort zerschlagen. Bei kalten 13°C blicken wir in dichten Nebel,es nieselt. Wäre halb so wild, wenn wir uns nicht so auf den Ausblick von der Passstraße gefreut hätten. Den können wir schon mal abhaken. Wir brechen trotzdem früh auf, denn die ersten Kilometer ziehen sich.

Da wir am Fuß des Gebirges übernachtet haben beginnt unsere heutige Etappe gleich zu Beginn mit endlosen Serpentinen. Als wir dann die Baumgrenze erreichen stecken wir tief in den Wolken und erklimmen den Pass im Blindflug. Eigentlich wollten wir am Pass die Aussicht genießen, jetzt spielen wir im Schneematsch. Da es schweinekalt ist machen wir uns schnell wieder auf den Weg nach unten.

Je mehr Höhenmeter wir abbauen desto klarer wird die Sicht und sogar die Sonne begrüßt uns mit steigenden Temperaturen. Vom Schnee zum Sommer in wenigen Kilometern. Unterwegs begegnen wir einigen Interessierten und unser erster Braunbär kreuzt unseren Weg.

Unser nächstes Tagesziel heißt Mittagessen in Bukarest. Diese Stadt empfängt uns mit einer freundlichen Hektik und einem uns noch fremd-funktionierendem Chaos auf den Straßen. Im Zentrum angekommen finden wir mentale wie körperliche Stärkung in einem netten Restaurant mit landestypischen Gerichten. Wir verabschieden und vom Team Münchner Kindl die eine andere Strecke weiterfahren und entscheiden uns für das Tagesziel Varna an der Schwarzmeerküste.

Um den Weg aus der Stadt stressfreier zu finden entscheiden wir uns für eine digitale Navigation. So können sich auch alle Beifahrer auf den Straßenverkehr konzentrieren. Wendende Transporter auf der dreispuringen Schnellstraße, Mitabbiegende Autos die schnell eine neue Spur zum überholen von rechts, die links oder diagonal erfinden, die Straßenbahnen von vorne, hinten oder beides gleichzeitig und Kreuzungen wo gefühlt alle gleichzeitig grün bekommen machen dies auch nötig. Wir amüsieren uns prächtig und kommen weinend vor Lachen wieder aus der Stadt.

Wir lassen Rumänien langsam hinter uns und nähern uns der Bulgarischen Grenze. Diese passieren wir Problemlos und fahren nun auf gut ausgebauten bulgarischen Straßen Richtung Tagesziel.

Es wird spannend, wir verlassen Europa

Tag 5 – 07.09.2017

Südlich von Varna finden wir eine kleine Wiese hinter einem Dorf, die zum Schlafen geeignet scheint. Kurzerhand schlagen wir unser Lager auf und machen uns daran das Bier, das wir nicht über die türkische Grenze bringen dürfen, zu trinken. Ein Pferd kommt vorbei und begutachtet uns, in der Ferne heulen Hunde und am sternenklaren Himmel sehen wir einige Sternschnuppen.

Am Morgen brechen wir ohne Frühstück auf, das verlangern wir heute an’s Meer. Nach einer halben Stunde erreichen wir den Strand. Über weichen, weißen Sand laufen wir in das 24°C warme schwarze Meer. Wir frühstücken in der Sonne und machen uns auf zur türkischen Grenze. Unser Weg führt uns an den touristischen Hochburgen der bulgarischen Küste entlang. Plattenbauähnliche Bettenburgen wechseln sich mit Wasserrutschenparks ab. Hier musste die schöne Landschaft leider dem Tourismus weichen. Als wir auf die Straße abbiegen, die uns zur Grenze bringt steigt die Nervosität. Werden wir wir über die Grenze kommen? Ca. eine Stunde später sind wir dann schlauer. Alles ganz einfach! Nachdem wir kurz in der Schlange warten erledigen wir den Zoll und erwarten die Zollkontrolle. Die dauert ca. 10 Sekunden. Die Beamten sind freundlich und schicken uns sofort weiter. Als wir den Schlagbaum passieren haben wir es geschafft.

Hinter der Grenze erwarten uns breite, gut ausgebaute Straßen, die uns schnell zur Autobahn nach Istanbul bringen. Die Temperaturen überschreiten erstmals die 30° Marke.

Da wir schnell über die Grenze kamen, planen wir Istanbul heute noch zu passieren, um den Großstadtstau am nächsten Morgen nicht vor uns zu haben. Dass das eine gute Idee ist, merken wir als der Stau ca. 40km vor der Stadt beginnt. Auf einer achtspurigen Autobahn lernen wir die türkischen Verkehrsregeln kennen. Zusammen gefasst: Augen zu und durch, einfach fahren und hoffen, und zwischendurch noch zwei weitere Fahrspuren aufmachen. Nach ca. einer Stunde im Stau sehen wir vor uns ein deutsches Auto mit auffälligem Dachgepäckträger. Wir haben das Team Münchner Kindl wieder eingeholt. Kurzerhand schließen Sie sich uns wieder an.

Tief in der Abenddämmerung überqueren wir den Bosporus. Uns bietet sich ein herrliches Panorama auf Istanbul und sein geselliges Treiben. Als wir die Brücke passieren erreichen wir den asiatischen Kontinent. Wir fahren weiter bis Sile und finden einen kleinen, gemütlichen Campingplatz mit Meerblick. Die touristischen Anlagen wirken verlassen, aber wir finden noch ein geöffnetes Restaurant. Zwar liest sich die Karte wie beim Türken um die Ecke, hier vor Ort schmeckt es aber doch besser. Müde von der langen Tour fallen wir früh ins Bett. Die letzte Nacht war kurz, nach dem langen Tag haben wir ein paar Extrastunden Schlaf nötig.

Die erste Panne, die Schwarzmeerküste und unglaublich freundliche Menschen!

Tag 6 – 08.09.2017

Als wir aufstehen blicken wir auf das Schwarze Meer. Wir frühstücken zum letzten Mal europäisch, Butterbriosche und Vollkornbrot. Unsere Vorräte sind aufgebraucht. Unser Trockenbrot und Pumpernickel sind für kärgere Gegenden eingeplant.

Der Plan für heute: Die halbe Strecke durch die Türkei zurücklegen, Sonntag vormittag wollen wir in Tiflis sein. Die Münchner sind sehr früh aufgestanden und schon auf dem Weg nach Samsun. Wir fahren einen anderen Weg, immer entlang des Schwarzen Meeres.

Als wir kurz an einem Supermarkt kurz halten fahren zwei uns bekannte Autos an uns vorbei. Die Booze Brothers und Team Hatobar. Was für ein Zufall, mitten in der türkischen Pampa. Zum Glück sind die beiden auch falsch abgebogen. Als sie wenden sehen sie auch uns und wir beschließen die weitere Strecke zusammen zu bleiben. Gesagt, getan nur leider nicht allzu lange. Bessy streikt! Immer wieder ertönt die Öldruckwarnung kurzzeitig. Wir fahren noch ein paar Kilometer bis zur nächsten Werkstatt an der Straße. Während wir versuchen der Ursache auf den Grund zu gehen fahren unsere Begleiter schon mal an den Strand.

In der Werkstatt spricht zwar niemand eine uns bekannte Sprache, mit Händen und Füßen können wir aber das Problem beschreiben. Wir müssen zu einer anderen, größeren Werkstatt. Man empfiehlt uns eine und Team #1 macht sich auf den Weg dorthin. Team #2 trifft sich derweil mit unseren Begleitern am Strand. Wir müssen uns die Zeit leider mit Baden vertreiben. Das Wasser ist warm und klar, schon ein hartes Los.

Team #1 erlebt derzeit die türkische Gastfreundlichkeit. In der Werkstatt spricht der Chef deutsch, das macht vieles einfacher. Da der niedrige Öldruck vermutlich von zu dünnflüssigen Öl bei hohen Temperaturen herrührt, sollte ein Ölwechsel das Problem beheben. Während Philip und Lukas mit dem Chef Tee trinken, ist der Ölwechsel schnell erledigt.

Unsere Begleiter sind derweil schon aufgebrochen, nach Osten. Sie wollen schon mal eine Bleibe für die Nacht finden. Die finden Sie, und was für eine! Wir fahren noch ca. 2 Stunden nach Zonguldac bevor es abenteuerlich wird. Zu dem Campingplatz führt eine 24 km lange Straße. Die prognostizierte Fahrzeit beträgt ca. eine Stunde. Anders als in Osteuropa hat das allerdings nichts mit der Beschaffenheit der Straße zu tun. Vielmehr haben die Türken sich hier die Serpentinen gespart und die Straße quasi geradewegs an den Berg gebaut. Im zweiten Gang beschleunigen unsere Boliden auf ca. 25 kmh, mehr ist nicht drin. Ab und zu fährt man auch mal im ersten Gang, vor allem nach unten. Ungläubig folgen wir einem überladenen LKW, dessen bremsen qualmen, als würden sie schon brennen. Fernab der letzten Ortschaft erreichen wir unser Ziel und werden von unseren Begleitern freudig empfangen. Das Auto läuft wieder.

Weiter geht’s, immer an der Küste entlang

Tag 7 und 8 – 09 und 10.09.2017

Erst als wir aufwachen stellen wir fest, dass wir direkt am Strand übernachtet haben. Als wir die Zelte öffnen schauen wir auf eine kleine Bucht, durch Felsen zu beiden Seiten geschützt. Nach dem obligatorischen Bad im Meer trinken wir noch einen Tee mit dem Besitzer des Campingplatzes und starten. Immer entlang der Küste, so lautet die Devise!

Nach einiger Zeit macht sich das Öldruckproblem wieder bemerkbar. Wir halten an einer kleinen Werkstatt und trennen uns von unseren Begleitern. Etwas ahnungslos, wie man dem Problem begegnen könnte wechseln wir erneut das Öl. Diesmal füllen wir allerdings 20W50 ein. Vermutlich halten die Tankstellen dieses Öl für alte sovietische LKW auf Lager, das Problem von Bessy lässt sich allerdings auch damit lösen.

Um die verlorene Zeit wieder aufzuholen entscheiden wir uns, die Küste zu verlassen und düsen über nagelneue Autobahnen durch das Landesinnere. Die Temperaturen steigen abseits der Küste auf 38°C und das im September. Die Autobahn nach Samsun zieht sich gefühlt endlos durch karge Berghänge und menschenleere Landschaften. Wir erreichen Samsun noch vor den beiden anderen Teams und verabreden uns am einzigen Campingplatz am Ort. Als wir den endlich erreichen stellen wir fest, dass er nicht mehr existiert. Um die Ecke angeln ein paar einheimische. Auf kurze Nachfrage erfahren wir, dass es ihr Grundstück ist und wir hier gerne übernachten dürfen. Wir tauschen deutsches Auto und Bier gegen Tee und Kartoffeln aus dem Lagerfeuer und fühlen uns gut aufgehoben.

Am Sonntag sind wir um viertel nach acht on the road. Wir müssen über die Grenze nach Georgien und wissen nicht wie lange wir dort warten werden. Als Tagesziel haben wir uns den Alkoholbrunnen in Batumi vorgenommen. Die Navigation fällt heute leicht. Immer dem Atatürk Boulevard entlang bis zur Grenze. Die Schnellstraße führt über 500 km direkt an der Küste entlang bis zur Grenze. Dort angekommen geht alles ganz fix. Wir müssen nicht warten und sind nach ca. einer halben Stunde in Georgien.

Dieser Grenzübergang führt zu einem harten Kulturschock. Es drängeln sich Bars und Kasinos dicht an dicht, die Straße ist belebt. Durch einen absolut chaotischen Verkehr gelangen wir zur Strandpromenade. Was hier passiert ist nach drei Nächten in der Türkei äußerst skurril. Zwischen hell erleuchteten Fahrgeschäften stehen Buden, Partyschiffe legen vom Pier ab. Wir sehen hauptsächlich türkische, iranische und russische Kennzeichen an den Autos in der Stadt. Ein seltsames Volk, dass sich hier tummelt. Wir laufen schnell zum Alkoholbrunnen, doch der ist um die Uhrzeit schon versiegt. Um diesem Chaos zu entfliehen fahren wir schnell weiter zu unserem Nachtquartier, der Botanische Garten von Batumi mit Blick auf die Skyline der Stadt.

Auf nach Neverland

Tag 9 – 11.09.2017

Auch wenn wir viel schönes über Georgien gehört haben, wir müssen das Land leider schnell passieren. Unser heutiges Ziel heißt daher Neverland, ein Campingplatz im Kaukasus, direkt vor der russischen Grenze.

Von Batumi aus folgen wir der Küste noch einige Kilometer nach Norden bevor wir das Schwarze Meer verlassen. Zu Beginn ist die georgische Fernstraße, die uns ins Landesinnere führt, ein Erlebnis. 15cm tiefe Spurrillen wechseln sich mit sovietischen Betonplatten ab, uns begegnet ein ganzer Streichelzoo auf der Straße. Hunde, Katzen, Kühe, Ziegen, Schafe, Pferde und Hühner lassen sich wenig vom Verkehr beeindrucken.

Nach einigen Kilometern wird die Straße zu einer Art Autobahn, vergleichbar mit europäischen. Auch in diesem Land wird viel für eine bessere Infrastruktur getan. Als wir die autonome Republik Abchasien verlassen wird die Autobahn wieder zur zweispurigen Fernstraße. Diese führt uns durch ein Mittelgebirge. In diesem Land verliert man den Überblick über die verschiedenen Gebirge. Lediglich der Kaukasus, mit seinen über 5000 Meter hohen Felsen ist zu unserer linken stehs zu erkennen. In den Hügeln des Zentrallandes lernen wir die georgische Fahrweise besser kennen. Weniger chaotisch, als in Osteuropa, aber etwas gewagter. Überholt wird auch bei Gegenverkehr. Alle Verkehrsteilnehmer weichen etwas zur Seite und es entsteht eine dritte Spur. Eigentlich ganz einfach.

Am frühen Nachmittag erreichen wir die georgische Heeresstraße. Eine uralte Verbindung zwischen Nord- und Südkaukasus und die einzige Möglichkeit für internationalen Fernverkehr zwischen Georgien und Russland. An zahlreichen mittelalterlichen Festungsanlagen und Kirchen vorbei schlängelt sich die Straße durch schroffe Täler auf 2500m Höhe. Mit Beginn der Dämmerung erreichen wir Stepansminda, das letzte Dorf vor der Grenze.

Am zentralen Platz im Ort fragen wir nach einem Campingplatz. Ein älterer Herr erklärt uns wo dieser ist und bietet an uns mit seinem Jeep dort hin zu bringen. Wir lehnen dankend ab und machen uns selbst auf den Weg. Als es dunkel wird erreichen wir die Grenze,den Campingplatz haben wir nicht gefunden. Wir beschließen uns eine Pension im Dorf zu suchen. Als wir wenden finden wir den Weg zum Campingplatz und verstehen, warum uns der alte Mann im Dorf angeboten hatte uns dort hin zu bringen. Mit unserer Kategorie Fahrzeug ist Neverland nicht erreichbar. Wir finden eine kleine Pension und gehen noch ins Dorf, essen und trinken.

Wir wollen um 7 Uhr an der Grenze stehen. Wir haben Horrorgeschichten von 12 bis 24 Stunden Wartezeit gehört, das wollen wir vermeiden. Die Grenze öffnet erst um neun, Frühstück also an der Grenze.

Zurück nach Europa, von Krisengebieten und Polizisten

Tag 10 – 12.09.2017

Pünktlich um sieben Uhr stehen wir an der Grenze. Überrascht stellen wir fest, dass die georgische Seite schon geöffnet hat und Reisen ohne Verzögerung aus. Auch die russische Seite scheint schon geöffnet zu haben,die Schlange ist kurz. Entgegen aller Erwartungen ist die Einreise nach Russland schnell und einfach abgewickelt. Freundliche Zöllner, die zum Teil gebrochen englisch sprechen und von unserer Tour begeistert sind ersparen uns eine aufwändige Gepäckkontrolle. Nach zwei Stunden sind Autos und Besatzungen eingeführt. An der Grenze treffen wir wieder unsere Begleiter und das Team Tajikspirit. Was für ein Zufall. Die beiden sind eine vollkommen andere Route gefahren.

Gleich in der ersten Stadt auf russischer Seite machen wir Bekanntschaft mit der Militia, der Verkehrspolizei. Unser Konvoi lässt einen Fußgänger am Zebrastreifen stehen und zwei Autos werden zur Kontrolle gebeten. Zwei gut gelaunte Polizisten erklären uns unseren Fehler, entgegen aller Erwartungen wird in Russland auf Zebrastreifen geachtet! Wir kommen mit einer Verwarnung von 1500 Rubel, etwa 20 Euro davon, nicht ohne zu Vodka am Abend eingeladen zu werden. Dankend lehnen wir ab, wir wollen heute noch bis Elista.

Da unser Frühstück aufgrund der kurzen Wartezeit an der Grenze flach gefallen ist halten wir an einem kleinen Kaffee am Straßenrand. Die Speisekarte ist einfach gehalten. Es gibt Borsch und Salat. Rote Beeteeintopf bei 34°C im Schatten? Es gibt in diesem Moment nichts besseres!

Unsere weitere Route führt uns durch Kabardino-Balkarien, eine autonome Republik, vor deren Durchreise das auswärtige Amt dringend abrät. Da die Alternative Tschetschenien ist entscheiden wir uns für die lange Tour über Stavropol. Außerdem sollen die Straßenverhältnisse hier durchweg gut sein. Wir passieren die innerrussiche Grenze ohne Probleme, die Soldaten und Grenzposten interessieren sich für unsere Tour, die vielen ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Auf der Route passieren wir weitere Checkpoints der Militia ohne Probleme. Hier werden scheinbar Drogenschmuggler gesucht. Als wir Kabardino-Balkarien verlassen haben wir keinen Unterschied zum anderen Teilen des Landes festgestellt. Überall am Straßenrand wird Gemüse verkauft, die Straßen sind gut, die Menschen freundlich. Lediglich das hohe Polizeiaufgebot zeugt von der problematischen Sicherheitslage.

Vor uns erstreckt sich jetzt das Stavropolplateau. Den Kaukasus mit seinen schroffen Felsen können wir nur noch im Dunst erkennen. Ansonsten gibt es hier nichts, absolut nichts. Sonnenblumenfelder deren Passage über eine viertel Stunde dauert sind keine Seltenheit. Ab und zu sieht man einen Hof am Horizont, das wars. Interessant sind die Bushaltestellen, die hier fernab jeder sichtbaren Zivilisation errichtet sind. Für wen bleibt fraglich.

Als es dunkel wird erreichen wir Stavropol, entschließen uns aber aufgrund der guten Straßen bis nach Elista weiter zu fahren. Hinter russischen LKWs, die uns, ähnlich einer Lokomotive mit 100 kmh über die Landstraße ziehen fahren wir durch die absolute Dunkelheit.

Kleines Beispiel? Eine Orange Warnlampe an einem Zebrastreifen erblickt man aus ca. 10km Entfernung. Man macht sich für die nächste Polizeikontrolle bereit. Nach 5 km erblickt man das beleuchtete, blaue Schild, nach weiteren 3km vermutet man eine Baustelle, und fährt schon mal etwas langsamer. Ca 500m vor dem Objekt erkennt man es und ist verwundert, dass man sich schon seit 10 Minuten Gedanken darum gemacht hat.

Wir erreichen Elista und checken im Hotel ein. Hier im russischen Niemandsland kostet eine Übernachtung im Hotel mit echtem Plattenbaublick übrigens 4700 Rubel für fünf Personen. Knapp 14 Euro pro Nase. Müde nach 17 Stunden on the Road fallen wir ins Bett.

Durch die Steppe, wieder nach Asien

Tag 11 – 13.09.2017

Unser Hotelaufenthalt in Elista ist übrigens keinerseits unserer verlorenen Lust am Camping geschuldet. Vielmehr ist es in Russland Pflicht für Touristen, sich in einem Hotel anzumelden.

Wir stehen früh auf und machen uns auf die Suche nach einem Kaffee. Leider ist in der Universitätsstadt Elista um 8 noch alles geschlossen und so brechen wir mit vier Autos auf, etwas essbares zu finden. Am Straßenrand werden wir wieder fündig. Zum Frühstück gibt’s Manti und Dolma, gefülltes Gemüse und gefüllte Teigtaschen, dazu Kaffee und Tee. Als Nachtisch bekommen wir noch eingelegte Feigen und einen feinen Tee, so lässt sich’s leben.

Danach geht es ab nach Astrachan. Die zweispurige Fernstraße, die mit deutschen Verhältnissen mehr als mithalten kann führt uns das erste Mal durch echte Steppe. Vorbei an Salzseen zieht sich die Straße ohne eine nennenswerte Kurve bis zum Wolgadelta. Die fast die gesamte Ebene liegt hier unter dem Meeresspiegel. Wir sind froh als ein paar kleine, weitestgehend ausgetrocknete Seen unseren Weg säumen. Wir haben das Wolgadelta erreicht.

Einige Kilometer später erreichen wir Astrachan, als wir die Wolga überqueren erreichen wir wieder asiatischen Boden. Da Astrachan wohl die letzte große Stadt ist, die wir auf unserer Reise passieren, gehen wir noch einmal einkaufen. Wir bunkern Trinkwasser für die Wüste und Verpflegung für zwischendurch. Scholli bekommt ein neues Zelt, Bessy ausreichend Vorräte an 20W 50 Öl.

Wir brechen auf gen kasachische Grenze. und füllen alle Tanks und Benzinkanister bis oben hin mit Superbenzin auf. In Kasachstan ist es schwierig an ordentliches Benzin zu kommen. Über eine schwimmende Brücke erreichen wir auf schlechter werdenden Straßen die russische Seite der Grenze. Wieder einmal funktioniert alles reibungslos. Ohne Wartezeit verlassen wir das Land, die Zöllner sind an unserer Tour interessiert, ersparen uns aufwändige und langwierige Zollkontrollen.

Wir durchqueren 10km Niemandsland bis wir zur kasachischen Seite gelangen. Die Grenzbeamten sprechen verhältnismäßig gut Englisch, die Einreise verläuft unproblematisch. Hinter der Grenze erleben wir ein uns bislang unbekanntes Spektakel. Der Tenge, die kasachische Währung darf weder ein- noch ausgeführt werden, es muss also jeder Grenzgänger Geld wechseln. Unmittelbar nach dem Verlassen des Grenzpostens laufen ca. 10 Frauen auf uns zu und möchten uns Geld wechseln und eine Autoversicherung verkaufen. Es gibt an der Grenze keine andere Möglichkeit an Tenge zu gelangen und so passieren wir das Pulk und warten 200m weiter auf die Damen. Hier lässt sich alles verhandeln! Der Kurs, der Versicherungspreis, einfach alles.

Als wir von unseren Begleitern erfahren, dass sie gleich hinter der Grenze in der Nähe der Straße übernachten, beschließen wir, die 10km auch in der Nacht auf uns zu nehmen. Eine andere Möglichkeit findet sich nicht. Auf einer überraschend guten Straße fahren wir zu der „Weide“ auf der die anderen übernachten und können erstmals den kasachischen Sternenhimmel bewundern.

Willkommen in Kasachstan, von Schlaglöchern und Kamelen

Tag 12 – 14.09.2017

Am nächsten morgen bekommen wir zunächst Besuch von ein paar neugierigen Kühen, welche jedoch schnell das Interesse verlieren. Anders als die Einheimischen die unser Lager von einem nahen Feldweg aus entdecken. Sehr freundlich werden wir begrüßt und die große Routenkarte auf der Motorhaube ermöglicht erneut unser Vorhaben ohne viele Worte zu erklären. Wir tauschen ein paar Gastgeschenke. Wir erhalten Melonen und Gurken bis zum abwinken, die Boozebrothers eine Starthilfe und vor allem bekommen wir den Rat nicht die direkte Route nach Aqtöbe zu nehmen sondern lieber die längere Route über die Stadt Oral im Norden da hier die Straßen gut befahrbar sind und es trotz einem Umweg von 500km schneller ginge. Nachdem wir noch viele Gruppenfotos mit vorbeikommenden Reitern machen müssen kann es los gehen.

Was eine schlechte Straße in Kasachstan bedeutet erfahren wir sehr schnell und für viele Kilometer. Mit einer Geschwindigkeit zwischen 5 bis 60 km/h schlängeln wir uns zwischen riesigen Schlaglöchern und bis zu 50cm hohen Asphaltauftürmungen hindurch bis sich die Straßen langsam bessern.

Bereits nach wenigen Kilometern erblicken wir das erste Kamel am Straßenrand. Kamel- und Kuhherden bieten neben der Stadt Atyrau die einzigen Abwechslungen auf der Tagesroute. Ansonsten passieren wir endlose Steppen und verlieren das Gefühl für Zeit und Entfernung. Die Zeit war bereits seit Eintritt in Kasachstan ein großes Fragezeichen da jedes Handy eine andere Zeitzone anzeigt. Wir einigen uns darauf das es nur noch zwei Zeiten gibt: hell und dunkel.

Zusammen mit Team Hatubar finden wir noch im hellen einen geeigneten Schlafplatz für die Nacht. Nach einem hervorragenden Abendessen und einer kleinen Erprobung des kasachischen Bieres fällt unser Blick gen Boden wo sich ein Naturspektakel abspielt. Tausende Insekten tummeln sich, Ameisen kämpfen gegen Motten und essen sie, dazwischen Scharen von kasachischen Asseln, den “Kasasseln“. Als es noch anfängt zu regnen und in der Ferne Blitze zu sehen sind beenden wir den Tag.

Ab ins Nichts

Tag 13 und 14 – 15. und 16.09.2017

Und, was haben wir die letzten zwei Tage gesehen? Nichts!

Aber eins nach dem anderen. Als wir Freitag morgen aufstehen ist von dem nächtlichen Regen nichts mehr zu sehen. Nicht ein Mal Tau hat sich auf unseren Zelten gebildet. Die Steppe hat den Schauer einfach aufgesogen. Wir packen zusammen und machen uns auf den Weg. Von anderen Teams haben wir erfahren, dass die Straßen besser werden sollen. Und das werden sie! Die Buckelpiste von gestern hätten wir nicht 3000km durchgehalten. Weder Mensch noch Material.

Auf fast Schlaglochfreien Straßen kommen wir zügig voran. Bemerkenswert ist die Hohe Zahl der Kurven etwa alle 100 km kommt eine, links oder rechts. Um die Gefahr dieser seltenen Straßenform zu verringern werden alle Kurven rechtzeitig und nicht zu übersehen angekündigt. Über der Straße hängt eine undefinierbare Dunstschicht, deren Ursprung wir nach ca. 3 Kurven, etwa 300km feststellen. Die Steppe brennt! Ein vermutlich alljährliches Phänomen, das hier niemanden stört. Wie viele tausend Hektar hier brennen lässt sich nur schwer vorstellen.

Bis zur Stadt Oral folgt die Straße dem Fluss Ural, der Fluss mit seinen bewaldeten Ufern stellt die einzige Abwechslung für’s Auge dar. Als wir nach Osten abbiegen wird die Landschaft atemberaubend. Es wird von Kilometer zu Kilometer trockener, kaum vorstellbar bei der kahlen Steppe von heute morgen. Wir durchqueren Landschaften in denen wir über hunderte Kilometer, das ist nicht übertrieben, kein Haus kein Wasser, einfach nichts sehen außer der Straße und ab und zu einer Stromleitung.

Als es zu dämmern beginnt erreichen wir die „Stadt“ Qopda. Es gibt einen Laden, wir kaufen Brot, Käse, Speck, Butter und Bier. Gleich hinter der Stadt schlagen wir unsere Zelte auf. Die Zelte stehen früh und so können wir endlich wieder kochen. Es gibt Bratkartoffeln und Bohnen, dazu Gurkensalat. Nach 750 Kilometern bei 33 °C sind es die besten Bratkartoffeln überhaupt. Wir trinken kasachisches Bier, übrigens sehr zu empfehlen, und gehen ins Bett. Morgen erwartet uns die Wüste.

Als wir aufwachen hat sich der Rauch am Himmel verzogen. Scheinbar hat es aufgehört zu brennen. Wir starten früh denn heute wollen wir zum Schiffsfriedhof nach Aral. Eine lange Strecke, die wir nur bei guten Straßenverhältnissen bewältigen werden. Die Landschaft hat sich in den letzten 700 Kilometern nicht geändert, heute wird sie es wohl auch nicht tun.

Kurz bevor die Straße nach Süden abbiegt bekommen wir noch einmal Super Benzin, vermutlich das letzte Mal bis Kirgisistan. Wir füllen unsere Benzin- und Wasservoräte auf und gehen kasachisch essen. Schaschlik ist aus, wir bekommen vermutlich Ziegenfleisch mit Kartoffeln und Buchweizen. Sehr lecker! Es ist schwer vorstellbar, aber die Steppe wird noch karger, die Landschaft noch weiter. Es ist schwer in Worte zu fassen aber hier ist wirklich nichts. Ca. 200 km weiter im Süden ändert die Steppe ihr Gesicht. Hier stehen keine Bäume mehr, keine Sträucher. Niedriger, vertrockneter Bewuchs ziert den sandigen Boden. Wir sind in der Wüste angekommen.

Am Abend erreichen Sie wir Aral, eine ehemalige Hafenstadt am Aralsee. Wir haben Glück, von anderen Teams hatten wir erfahren, dass es hier kein Benzin gibt. Wir fahren eine Tankstelle an, an der viele einheimische stehen. Der Tanklaster steht noch an der Tankstelle. Seit zwei Stunden gibt es wieder Benzin. Wir tanken und fahren durch den Ort zu unserer ersten Nacht in der Wüste. Hier einen geeigneten Platz zum Schlafen zu finden ist wirklich einfach. Es gibt Nudeln mit Pesto zum Abendessen und wir schauen uns den fantastischen Sternenhimmel an.

Morgen geht es zum Aralsee, oder dem was davon noch übrig ist.

Führt der Weg zu den Sternen durch die Wüste?

Tag 15 – 17.09.2017

Am morgen machen wir uns auf den Weg zum Aralsees. Leider ist die Schotterpiste, der wir 60km folgen müssten, in einem nicht besonders guten Zustand und wir entschließen unseren Boliden dieses Leid zu ersparen. Die Buckelpisten hier haben schon einige Spuren hinterlassen. Stattdessen beschließen wir den ehemaligen Hafen von Aral zu suchen, denn man darf es nicht vergessen, hier in dieser tristen Wüstenstadt gab es einmal Wasser in Hülle und Fülle. Die alte Wasserlinie ist noch zu erkennen, allerdings ist es nicht vorstellbar, dass hier einst das Wasser so hoch gestanden haben soll. Dahinter erstreckt sich eine endlose Wüste ohne jede Erhebung. Man kann nur erahnen, wie groß dieser See einst war.

Wir füllen unsere Wasservorräte wieder auf, hier in der Wüste brauchen wir 4 bis 5 Liter Wasser pro Person und Tag, und das ohne wirkliche körperliche Anstrengungen, und verlassen die Stadt Richtung Südosten. Nächster Tagesordnungspunkt ist das Kosmodrom in Baikonur. Wir hoffen auf ein paar hübsche Schnappschüsse von der Abschussrampe, außerdem wollen wir das Raumfahrtmuseum in der Stadt besuchen.

Vorbei an zahlreichen Kamelheerden führt die Straße durch erstaunlich viele kleine Dörfer. Und das hier mitten in der Wüste. Wovon die Menschen hier in der Wüste leben ist nicht ersichtlich. Die Dörfer bieten allerdings eine willkommene Abwechslung. Wir erreichen Baikonur und müssen enttäuscht feststellen, dass die Stadt nur Kasachen und Russen zugänglich ist. Damit schon mal kein Museumsbesuch. Auch die Fahrt zum Kosmodrom endet frühzeitig. In etwa 25 km Entfernung zur Abschussrampe befindet sich der Eingang zum Gelände. Martin fragt noch beim Zöllner nach, ob es möglich ist das Gelände zu befahren, aber was eigentlich klar war betätigt sich, wir dürfen nicht passieren. Das sovietische Raumfahrtprogramm wurde vor der Bevölkerung geheim gehalten. Wie hält man Raketenstarts geheim? Man verlegt sie in eine Wüste, die erst hinter dem Ende der Welt beginnt. Von den gigantischen Anlagen bekommen wir auch heute noch nichts zu sehen.

Ein wenig enttäuscht verlassen wir Beikonur und essen in einem kleinen Restaurant kasachische Gerichte. Es gibt verschiedene Sorten Fleisch mit Nudeln, Kartoffeln und Brühe. Alles erstaunlich lecker. Frisch gestärkt setzten wir unsere Fahrt fort. Unser neues Tagesziel: Noch ein paar Kilometer zurücklegen bis die Sonne tiefer am Horizont steht und die Tageshitze endlich den angenehmen Abendtemperaturen weicht.

Wir verlassen die Wüste und kommen in das Gebiet des Flusses Syrdarja, einem Zufluss des Aralsees, der diesen über die Sommermonate nicht mehr erreicht, sondern vorher in der Wüste versiegt. Die Landschaft ändert sich. Rechts und links der Fahrbahn stehen Brusthohe Bücher, zum Teil sogar noch mit grünen Blättern. Das ist das erste Grün, dass wir sehen, seit wir die Berge in Georgien verlassen haben. Die Steppe ist hier von unzähligen Kanälen durchzogen, die das Wasser des Flusses in die ehemaligen Baumwollanbaugebiete der UDSSR verteilen. Mit der Dämmerung suchen wir uns eines dieser alten Baumwollfelder zur Übernachtung aus. Auffällig ist, dass es hier so gut wie keine Insekten gibt. Es liegt die Vermutung nahe, das der massive Einsatz von Pestiziden in dieser Region die Fauna vernichtet hat und bis heute gering hält.

Am Abend wissen wir, für uns führt der Weg zu den Sternen nicht durch die Wüste.

Raus aus dem Nichts

Tag 16 – 18.09.2017

Wir haben unsere erste wirklich kalte Nacht erlebt. Bei Tagestemperaturen um die 35°C wurde es nachts sicher unter 10°C kalt. Dazu war die ganze Nacht insektenfrei, wir wissen nicht ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist. Für eine Nacht war es jedenfalls sehr angenehm.

Am Abend haben wir noch unsere Heimflüge gebucht, am 30.09. werden wir mit den meisten anderen Teilnehmern der Rally in Frankfurt landen. Voraussichtlich gegen 7 Uhr deutscher Zeit.

Wir brechen wieder früh auf, denn heute wollen wir mal wieder etwas anderes sehen als Steppe, Wüste und Steppe. Dazu müssen wir mindestens bis Shymkent kommen, besser etwas weiter. Im Süden sollten sich dann die ersten Berge auftürmen. Wir nähern uns unweigerlich dem Highlight unserer Reise, dem Pamirgebirge.

Am Abend ändert sich die Landschaft. Als wir Shymkent passieren tauchen im sandigen Dunst die ersten Hügel auf. Wir haben die ersten Ausläufer des Himalayas erreicht. In Shymkent kaufen wir noch einmal Wasser und Brot, dann suchen wir uns früh eine Stelle zum übernachten. Während die Sonne hinter den Hügeln verschwindet und den Himmel in ein tiefes Orange färbt stellen wir unsere Zelte zwischen den Bäumen an einem Flussufer auf. Bäume, die haben wir seit fünf Tagen nicht mehr gesehen. Zufrieden kochen wir uns ein leckeres Chili mit Couscous und fallen erschöpft ins Bett.

Nach einer Woche in der Wüste, eine warme Dusche am Abend

Tag 17 – 19.09.2017

Am morgen werden wir von einer Kuhherde geweckt. Die Hirten begrüßen uns und sind vermutlich froh etwas Abwechslung in ihrem Alltag zu erleben. Man plauscht ohne ein Wort des Gegenübers zu verstehen, Spaß macht es trotzdem. Einer hat eine Tochter in Bremen. Wir sind wie schon so oft von der Offenherzigkeit der Menschen hier begeistert. Als wir alles zusammen gepackt haben kommen noch zwei Reiter vorbei, die gut sich gut gelaunt über unsere Rally informieren.

Wir starten Richtung kirgisische Grenze. Die Berge zu unserer Rechten werden immer höher. kurz vor der Grenze werden die Gipfel Schneebedeckt. Hier unten sind es weiterhin über 30°C. Unseren letzten Tenge verwandeln wir in Benzin und mal wieder in ein leckeres kasachisches Essen. Fleisch mit Brühe, Nudeln und Teig. Wie immer. Aber wie immer schmeckt es sehr gut. Durch zunehmenden Verkehr erreichen wir die kirgisische Grenze. Die Zöllner bei der Ausfuhr sind strenger als gewohnt. Wollen diverse Einzelheiten über unser Gepäck wissen. Als wir den Kofferraum öffnen, winken sie jedoch verzweifelt ab, wir dürfen weiter fahren. Die Einreise nach Kirgisistan ist unglaublich einfach, schneller als die einreise beispielsweise nach Rumänien. Auf eine Gepäckkontrolle wird gleich ganz verzichtet. Wir sind im Handumdrehen über die Grenze.

Jenseits der Grenze ändert sich der Straßenverkehr gewaltig. In Kasachstan war so gut wie kein Verkehr. Hier, unmittelbar hinter der Grenze gleicht der Verkehr sich Ostasiatischen Verhältnissen an. Im dichten Gedrängel fahren wir die 60km bis nach Bishkek, der Hauptstadt Kirgisistans. Wir brauchen für dieses kurze Stück ca. 2,5 Stunden, hoffentlich wird das außerhalb des Berufsverkehrs besser. In Bishkek suchen wir uns ein hübsches Hotel. Nach einer Woche Wüste und Steppe ist eine warme Dusche unglaublich belebend. Die Hautfarbe ändert sich gleich in ein deutlich helleres Braun, das Duschwasser färbt sich hingegen schwarz. Der Wüstenstaub und die Abgase der russischen LKW haben eindeutig ihre Spuren hinterlassen. Außerdem nutzen wir die Gelegenheit zum Wäsche waschen, es wird sicher die letzte auf unserer Reise sein.

Gleich gehen wir traditionell kirgisisch essen, bevor wir uns morgen auf den Weg zum Pamir Highway machen. Dem großen Ziel unserer Reise.

Ins Gebirge

Tag 18 – 20.09.2017

Heute morgen machen wir uns auf den Weg zu einem Tennisverein in Bischkek. Warum? Dazu später mehr an dieser Stelle. Als kleiner Tip, es hat etwas mit den Straßen im Gebirge zu tun. Ein Vögelchen hat uns gezwitschert, dass die Straßenverhältnisse alles andere als gut sind.

Nachdem wir erfolgreich 40 Tennisbälle erworben haben decken wir uns noch in einem großen Supermarkt mit Verpflegung für die letzte Woche ein. Dann verlassen wir die Stadt wieder Richtung Westen. Wir müssen ein Stück zurück um zum Beginn der M41 zu gelangen, der Straße, die uns bis nach Duschanbe begleiten wird,dem so genannten Pamir Highway. Durch das großstädtische Verkehrsgetümmel erreichen wir diese berüchtigte Straße und stärken uns noch einmal bevor es in die Höhe geht. Manti und Rührei mit Buchweizen und Hackfleisch stehen auf der Speisekarte.

Es kann losgehen: Die Straße schlängelt sich durch ein atemberaubendes Tal in die Berge. Immer wieder kommen uns neben LKWs und Autos auch Schaf-, Kuh- und Pferdeheerden entgegen. Auf der Straße natürlich. Erstmals nimmt die Leistung unserer Boliden spürbar ab, als wir die 2000 Meter Marke passieren. Das haben wir zwar schon in Transilvanien und im Kaukasus getan, da Betrug die Steigung aber nicht dauerhaft 12%. Die Busse und LKWs, die sich hier hoch quälen bewegen sich zum größten Teil mit Schrittgeschwindigkeit, sowohl rauf als auch runter. Am Pass in 2600 Metern angekommen erwartet uns ein ganz besonderes Schmankerl. Ein ca. 3km langer Tunnel, nicht belüftet und schlecht beleuchtet. Da wird auch im Auto die Luft dünn.

Wir verlassen den Tunnel und unser Blick fällt auf ein weites Hochtal. Auf dem Weg ins Tal machen wir kurz Pause und erwerben eine Flasche Stutenmilch, die hier überall am Straßenrand Angeboten wird. Nach dem Öffnen der Flasche ist sofort klar, dass es sich hierbei um eine besondere Spezialität handelt. Die warme, sauer riechende, stark kohlensäurehaltige Milch schmeckt sehr ähnlich zu dem was sowieso schon im Magen ist. Muss gesund sein!

Durch das Hochtal fahren wir immer weiter nach Westen in Richtung Ötmök Pass. Hier sind die Straßen nicht mehr so steil und wir kommen zügig voran. Der Pass liegt hier auf 3186 Metern, das Höhentraining hat begonnen.

Am Abend schlagen wir unser Lager am Toktogul auf, einem idyllischen Bergsee in ungefähr 1000 m Höhe. Unser erstes Höhentraining war also nur von kurzer Dauer. Morgen wollen wir in rund 3000 Meter Höhe übernachten, denn der Grenzpass nach Tadschikistan führt uns gleich auf 4300 Meter über dem Meer.

Höhentraing?

Tag 19 – 21.09.2017

Am Morgen starten wir früh. Wir wollen Osch passieren und möglichst weit in die Berge fahren um möglichst hoch zu übernachten. Unsere Körper sollen sich an die Höhe gewöhnen.

Durch eine wunderschöne Landschaft schlängelt sich die Straße entlang einem türkisgrünen Gebirgsbach durch Berge, die durch ihre Farben beeindrucken. Von rotem über grünen und schwarzen Stein ändert sich das Panorama hinter jeder Kurve, hinter jedem Tunnel. Wir erreichen ein breites Tal, die Straße führt uns direkt an der usbekischen Grenze entlang nach Osch.

In der Stadt angekommen Essen wir zum ersten Mal auf der Reise Schaschlik. Eigentlich dachten wir, wir würden uns hauptsächlich davon ernähren. Die Spieße sind lecker, noch besser gefallen uns allerdings gefüllte, gebackene Teigtaschen. Womit gefüllt? Natürlich mit Fleisch und Zwiebeln. Eine interessante Küche ist das hier!

Wir machen uns auf in die Berge und finden einen wunderschönen Platz zum übernachten, an Idylle kaum zu übertreffen. Abgelegen auf einem Hügel umzingelt von Schafen, Pferden und Kühen schlagen wir unser Lager auf. Als wir die Anwohner fragen, ob wir hier übernachten dürfen werden wir, mit Verweis auf die Kälte zu ihnen ins Haus eingeladen. Wir lehnen dankend ab.

In 2000 Metern beginnen wir mit mit dem Passat tuning à la Hatobar. Die Federn der Hinterachse werden mit je neun Tennisbällen gefüllt, was unseren Boliden hinten fünf cm mehr Bodenfreiheit gibt. Einfach genial!

Am späten Abend gesellen sich, nach einem kurzen Abstecher nach Usbekistan die Boozebrothers wieder zu uns, so dass wir am nächsten Morgen wieder mit vier Autos unterwegs sind. Getränk des Abends wird Tee mit Zitrone, Honig und Wodka. Lecker aber gefährlich!

Willkommen in Tadschikistan!

Tag 20 – 22.09.2017

Am Morgen bekommen wir Besuch. Unsere Nachbarn bringen uns frische Stutenmilch, Brot und eine Art Creme Fraiche, auch aus Stutenmilch vorbei. Außerdem eine Art kugelförmig Trockenkäse. Wir probieren natürlich alles, was uns angeboten wird. Die Milch ist zum Glück frischer als die, die wir vor zwei Tagen probiert hatten. Sie schmeckt gut, man munkelt sie hat den einen oder anderen Kater vertrieben. Die Käsekugeln schmecken salzig sauer. Außerdem saugen sie jede Flüssigkeit aus dem Mund. Gewöhnungsbedürftig, aber nach kurzer Zeit durchaus lecker.

Wir verabschieden uns von unseren Gastgebern und machen uns auf Richtung Grenze. Die wesentlich steiferen Federn der Hinterachse machen sich sofort positiv bemerkbar. Wir setzen auf den Feldwegen wesentlich seltener auf. Als wir die ersten Berge erklimmen fängt es an zu regnen. Das hatten wir nicht mehr seit Transilvanien. Außerdem ist hier wieder eine Grünfärbung des Grases zu erkennen.

Der erste Pass, den wir heute überfahren liegt in 3600 Metern. Eine Höhe bei der, der Leistungsverlust der Fahrzeuge schon deutlich zu spüren ist. Im zweiten Gang schleppen sich die Autos den Berg hinauf, erreichen den Pass auf guten, geteerten Straßen noch ohne Probleme. Wir erreichen eine Hochebene, die in ca. 3000 Metern liegt und tanken ein letztes Mal für die nächsten 800 km voll. Hier gibt es leider nur 80 Oktan Benzin. Zusammen mit dem, was wir noch im Tank haben sollte das Gemisch aber noch ca. 91 Oktan aufweisen. Wir erwarten keine Probleme.

Wir biegen auf die Grenzstraße ab, vor uns Reihen sich die schneebedeckten Gipfel des Transalai Gebirges auf. Ein wunderschöner Anblick. Wir nutzen die Gelegenheit um ein Gruppenfoto vor solch pathetischer Kulisse zu machen. Auf immer schlechter werdenden Straßen erreichen wir die kirgisische Seite der Grenze. Die Ausreise verläuft unproblematisch, danach beginnt der Fahrspaß. Eine ehemals asphaltierte Straße führt 20km lang über einen 4300m hohen Pass zur Grenze. Die Beschreibung „Straße“ ist deutlich übertrieben. Schlaglöcher werden von Steinen, Felsen Asphaltanhäufungen abgewechselt. An einer Stelle musste die Straße einem Bach weichen. Schon bald ist nur noch eine Schotterpiste übrig. Wir lassen etwas Luft aus den Reifen, denn oft genug haben wir zu wenig Grip auf dem staubigen Untergrund. Steilere Passagen sind nur noch im ersten Gang befahrbar, man muss immer darauf achten, dass die Drehzahl hoch genug bleibt, dass der Motor noch ausreichend leisted. Nachdem wir ein paar mal hängen geblieben sind erreichen wir den Pass, kurz darauf die Tadschikische Seite der Grenze.

Jetzt geht die Suche nach Passierschein A38 los. Nachdem wir den Stempel im Pass haben müssen wir es schaffen drei Dokumente für das Fahrzeug zu bekommen. Wir werden von einer Baracke zur nächsten geschickt, es beginnt mit einer Quarantäne Station,was die bezweckt bleibt unklar, sie kostet aber 15 Dollar. Weiter geht’s zum Tierarzt, der händigt uns nach Vorlage des ersten Dokuments und zwei Dollar Bearbeitungsgebühr einen weiteren Zettel aus. Mit beiden zusammen geht’s in die dritte Baracke. Hier bekommen wir für fünf Dollar einen weiteren Zettel. Der Herr zieht sich eine Gasmaske an, schnallt sich eine Sprühflasche um und marschiert zu unseren Autos. Offenbar ist er für die Desinfektion der Reifen zuständig. Wäre das schon mal erledigt. Es ist ca. eine Stunde vergangen als wir das Transport Police „Büro“ erreicht haben. Während dessen haben sich diverse Zöllner ca. fünf Flaschen Bier von uns geschnorrt. Im Büro zahlen wir die Road Tax, vermuten wir zumindest. Hier kann keiner auch nur ein bisschen Englisch. Interessant ist, dass nach jeder der einzelnen Zahlungen der Satz „Welcome to Tadschikistan“ fällt. Aus unserem Roadbook wissen wir, wir brauchen drei Dokumente. Zwei haben wir bereits. Das wichtigste, das temporäre Importformular, fehlt noch.

Also auf zur letzten Baracke, zum Zoll. Hier spricht immerhin jemand ein paar Wörter englisch. Jetzt wird es spannend. Die Zöllner haben keine Formulare mehr. Und jetzt? Der Tadschike ist da ganz pragmatisch! Der Zöllner erklärt uns, dass wir ihn mitnehmen nach Karakul, dem nächsten Ort. Von da aus fährt er weiter nach Murghab, der wieder nächsten Stadt, holt neue Formulare und wartet dort auf uns. Klingt machbar. Dann kommt der Haken. Die Beamten behalten die Pässe der Fahrzeughalter und die Fahrzeugscheine ein, als Pfand quasi. Das ist für uns natürlich der Horror. Ohne Papiere in einem zentralasiatischem Land? Geht nicht! Wir versuchen eine Quittung für unsere Pässe zu erhalten, das ist nicht möglich. Nach einigen Verhandlungen wird der Zöllner, der uns begleiten wird einsichtig. Als Pfand erhalten wir seinen Offiziersausweis und diverse andere Papiere von ihm. Das führt immerhin zu einer Pattsituation. Da es inzwischen dämmert ist das die einzige Lösung wenn wir nicht am Grenzübergang übernachten wollen.

Während die Sonne hinter den Bergen verschwindet hören wir ein letztes Welcome to Tadschikistan und verlassen die Grenze. Jetzt lernen wir erstmals, was eine echte Waschbrettpiste ist. Auf dem welligen Untergrund rappelt das Auto ab Schrittgeschwindigkeit derart, dass einem Angst und Bange wird. Nach kurzer Zeit lösen sich Schrauben der Innenverkleidung, die Türen vibrieren derart, dass man durch den Türspalt schauen kann. Nebenbei bemerken wir, dass wir ca. fünfzig Meter am Grenzzaun nach China entlang fahren. Nach einigen Kilometern Tortur wird aus der Piste wieder so etwas wie eine Straße. Mit den üblichen Symptomen: Schlaglöcher, Asphalthügel, fehlende Abschnitte. Auf dieser traumhaften Straße machen wir die 10.000 km seit Hohentann voll. Im dunklen erreichen wir Karakul, den ersten Ort hinter der Grenze und checken in einem Homestay ein. Wir bekommen traditionelle Kost, die uns nach einem anstrengenden Tag sehr gut schmeckt. Einige leiden unter leichten Symptomen der Höhenkrankheit, hauptsächlich Kopfschmerzen und extremer Müdigkeit. Unser Quartier liegt auf 4000 Metern. Erschöpft fallen wir ins Bett.

Bleibt die Frage, was passiert mit unseren Papieren?

Der Ak-Baital Pass

Tag 21 – 23.09.2017

Am Morgen müssen wir einige Leiden erleiden. Wir haben zu neunt in einem kleinen Raum auf Teppichen geschlafen. Die einen leiden unter Schlafmangel, aufgrund der nächtlichen Lautstärke (Grüße an Team Boozebrothers), die andern haben Rücken oder leiden noch immer an Höhenkrankheit. Auch das tadschikische Frühstück kann uns nicht so recht munter machen. Ein Teller Milchreis und ein Stück trockenes Brot. Andere Länder, andere Sitten.

Wir brechen auf und machen gleich am Karakul See Halt. Ein fantastischer Anblick bietet sich uns. Der See strahlt tiefblau vor einer wirklich kitschigen Gebirgskulisse. Wir nutzen die Gelegenheit und füllen unsere Wasservorräte auf und machen uns auf den Weg nach Murghab, der ersten Stadt in Tadschikistan am Pamir Highway. Das Wort Highway hat übrigens nichts mit dem amerikanischen Highway zu tun, sondern damit, dass er zum größten Teil auf über 4000 Meter Höhe verläuft.

Halbwegs intakte, asphaltierte Abschnitte wechseln sich mit katastrophalen Waschbrettpisten ab. Die chinesische Grenze immer in Sichtweite schlängelt sich der Highway durch die schneebedeckten Berge, die hier auf über 6000 Meter reichen.

Auf halber Strecke kommt uns ein Geländewagen entgegen, er gibt uns Lichthupe und blockiert uns den Weg. Heraus springt der Offizier der gestern mit unseren Papieren nach Murghab aufgebrochen ist. Offenbar wieder trampend und gut gelaunt. Er hat schon alles vorbereitet, wir müssen nur noch unterschreiben. Dann zahlen wir eine Gebühr von 25 Dollar pro Fahrzeug und tauschen unsere Papiere gegen seinen Pass. Alles ganz einfach.Im Nachhinein betrachtet ist das eine Geschichte, die aus einem schlechten Traum stammen könnte.

Kurze Zeit später erreichen wir den zweithöchsten Pass der Welt. Der Ak – Baital führt uns in 4655 Meter Höhe. Zum Glück sind die Straßen in einem akzeptablen Zustand und die Autos kommen problemlos nach oben. An einem Hang grast eine Herde Yaks. Irgendwie verrückte Welt hier.

Auf dem weiteren Weg bessert sich die Straße. Fast vollständig asphaltiert und in ungewohnt gutem Zustand. Einmal fehlt eine Brücke, aber das ist schon Jammern auf hohem Niveau. Wir erreichen Murghab ohne Probleme und sind etwas erstaunt, was man hier unter Stadt versteht. Eine Lose Ansammlung von Hütten, aber es gibt alles, was man zum Leben braucht. Ein Lenindenkmal, eine Post, eine Polizei, drei Banken, mindestens drei „Tankstellen“ und ein Hotel mit Restaurant. Dieses Suchen wir umgehend auf, das Frühstück war doch sehr karg. Es gibt Plov und Suppe. Seit langem besteht die regionale Küche mal nicht aus Fleisch mit Zwiebeln, sondern aus Reis, Gemüse und etwas Schaf. Sehr gut!

Nach dem Essen tanken wir 92 Oktan Benzin, die weiteren Details dieser Aktion bleiben einem Gespräch in keiner Runde vorenthalten. Unsere Versuche Post-und SIM Karten zu erwerben und Geld zu wechseln scheitern an dem Umstand, dass Wochenende ist. Wir machen uns wieder auf den Weg, solange bis die Sonne untergeht. Noch im Hellen schlagen wir unser Lager auf. Der Wind pfeift eisig durch das Tal und wir fallen früh ins Bett. Wir waren heute den ganzen Tag in über 4000 Meter Höhe. Das schlaucht!

Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass der Sternenhimmel hier noch imposanter ist, als in der Wüste. Wir sind sicher 300 km von der nächsten Straßenlaterne entfernt und die Milchstraße erstrahlt in ihrer ganzen Pracht.

Der Wakhan Korridor

Tag 22 – 24.09.2017

Nach unserer bisher kältesten Nacht, das Thermometer ist über Nacht auf minus fünf Grad gefallen, wachen wir alle, geweckt von der Sonne früh auf. Allerdings zieht sich das morgendliche Treiben in die Länge. Die Kälte und der eisige Wind machen uns etwas zu schaffen. Tagsüber waren es noch knapp dreißig Grad. Das Wetter hier oben ist schon gewöhnungsbedürftig.

Wir starten trotzdem zeitig, denn wir wollen heute weit kommen, nur der Weg steht noch nicht ganz fest. Es gibt zwei Alternativen. Entweder im Hochgebirge bleiben, oder einen Schlenker nach Süden machen. Der zweite Weg führt und dann durch den so genannten Wakhan Korridor, direkt an der afghanischen Grenze entlang. Fraglich ist allerdings, ob der Pass befahrbar ist, die Bedingungen sollen sich hier oft ändern. Wir bevorzugen jedoch diese Route, da wir sonst wohl schon Dienstag Duschanbe erreichen.

Die Passstraße ist als solche erst mal schwer zu erkennen. In der Einöde sind einige Fahrspuren zu erkennen, das wars. Wir versuchen es trotzdem. Mit unseren äußerst geländegängigen Boliden erklimmen wir den Pass in 4300 Metern Höhe trotz widriger Straßenverhältnisse relativ problemlos. Am Pass treffen wir ein paar Jäger, die Marco Polo Schafe jagen wollen. Sie meinen die Straßen ins Tal seien verhältnismäßig gut. Wir entschließen uns ins Tal zu fahren.

Nach wenigen Kilometern erreichen wir einen tadschikischen Grenzposten. Die Grenze nach Afghanistan ist keinen Steinwurf mehr entfernt. Nachdem unsere Passdaten mal wieder auf weißen DIN a4 Seiten notiert wurden können wir unsere Reise fortsetzen. Zu unserer linken erstreckt sich der Hindukusch, zur rechten der Pamir. Und wir mitten drin!

Die Straße ist befahrbar, mehr Lob ist nicht zu verlieren. Das Panorama allerdings ist wunderschön. Teils führt die Straße direkt am Ufer entlang, teils gleicht die Landschaft dem Grand Canyon. Der Weg ist direkt in den Fels geschlagen,teils von Geröll bedeckt. Ca. 80 km, also vier Stunden nach dem Grenzposten erreichen wir eine oasenähnliche Landschaft und die ersten Dörfer. Wir sind inzwischen nur noch etwa 3000 Meter hoch. Es wachsen wieder hohe Bäume, hier wird Getreide angebaut, es wächst Obst und Gemüse. Die Menschen an der Straße begrüßen uns fröhlich. Es sieht wieder nach Zivilisation aus,die erste die wir in Tadschikistan sehen. Auffallend ist die Sauberkeit in den Dörfern. Es herrscht eine bemerkenswerte Gegenlichtstimmung, als wir bei tief stehender Sonne gen Westen fahren. Im gesamten Tal liegt ein feiner Staub in der Luft. Vorrausfahrende Fahrzeuge verschwinden einfach in ihrer eigenen Staubwolke. Durch die Sonne fährt man auf eine helle Wand zu.

Unser heutiges Tagesziel sind die heißen Quellen von Bibi Fotima. Wir kämpfen uns noch einmal acht Kilometer den Berg hinauf bis wir die Quellen erreichen. Als wir ankommen ist es acht Uhr. Wir haben nach zehn Stunden Fahrt ohne längere Pausen ca. 200 km zurückgelegt. Die Anstrengungen haben sich aber definitiv gelohnt.

Wir finden ein kleines Hotel direkt neben den Quellen. Der Inhaber erklärt uns das Bad sei geschlossen, er könne es uns aber aufschließen lassen. Das lassen wir uns nicht zwei mal sagen. Vor dem Essen springen wir noch eine halbe Stunde in das warme Naturbad. Aus dem Fels strömt ein schnell fließender, ca. 40 Grad warmer Bach in mehrere Becken. Was für ein Genuss.

Ein interessantes Rendezvous

Tag 23 – 25.09.2017

Am Morgen sind wir früh wach,wir stellen zum letzten Mal die Uhr um. Von der inoffiziellen Pamirzeit zur offiziellen Tadschikistan Zeit. Da wir zwei Stunden bis zum Frühstück haben lassen wir es uns nicht nehmen noch mal in die Quellen zu springen. Zum Frühstück gibt es heute Rührei und Bratwurst. Dazu Brot und frische Butter. Das gefällt schon besser als das letzte traditionelle Frühstück.

Wir machen uns auf den Weg, denn heute wollen wir es bis hinter Korogh schaffen. Das sind zwar keine 200km, aber die Straßen werden sich wohl nicht bessern.

Durch zahllose kleine Dörfer führt die Straße immer am Grenzfluss entlang. Die Menschen hier leben von Ackerbau und Viehzucht. Am Wegesrand wird Korn von Hand gedroschen, Ochsengespanne pflügen die abgeernteten Äcker. Ab und zu sieht man einen Traktor. Überall werden wir freundlich gegrüßt.

Gegen Mittag erreichen wir einen Grenzmarkt. Der hat leider nur samstags geöffnet, somit verfällt unsere Chance afghanischen Boden zu betreten. Im nächsten Ort kehren wir in ein kleines Restaurant ein. Zwar ist die Speisekarte lang, aber der Wirt erklärt uns, es gibt Blov. Also essen wir wieder Reis mit Gemüse und Fleisch (Blov).

Wir fahren weiter Richtung Korogh, da hat Johnny seine erste „Panne“. Der originale Unterfahrschutz hat sich inzwischen in Wohlgefallen aufgelöst und der Öhlwannenpanzer hat sich nach einem heftigeren Einschlag gelöst. Also das Auto auf Steinen aufbocken und wieder hoch hängen. Das Teil ist hier überlebenswichtig! Korogh erreichen wir um kurz nach fünf. Die Banken hier schließen um fünf und sind die einzige Möglichkeit an Somoni, die lokale Währung zu gelangen. Mit USD kann man zwar viel bezahlen, aber man bekommt schlechte Wechselkurse. In manchen Läden werden sie gar nicht akzeptiert. Der einzige internationale Geldautomat zeigt den Windows Blues regen. Also bekommen wir auch keine SIM Karte und Martin muss weiter Blogbeiträge offline vorschreiben.

Bis wir getankt haben sind mal wieder zwei Stunden vergangen und es wird dunkel. Schade, eigentlich wollten wir heute weiter kommen. Im Dunkeln suchen wir kurz hinter der Stadt einen geeigneten Platz zum Übernachten. Wir finden eine Abfahrt von der Straße und auch eine ebene Fläche. Die ist zwar total vermüllt, aber bei den hiesigen Straßenverhältnissen ist an eine Weiterfahrt im Dunkeln nicht zu denken.

Wir kochen Safranreis mit 5g kirgisichem Safran (die Mindestabnahme waren 10g) mit Dosenfleisch und Gemüse. Klingt zwar wie Blov, schmeckt aber besser. Als wir ca. zwei Stunden in gemütlicher Runde sitzen tauchen aus der Dunkelheit vier Gestalten mit Kalashnikovs auf. Wir begrüßen sie herzlich, denn dieser Besuch wurde uns schon von der Rallyorganisation angekündigt.

Es sind tadschikische Soldaten auf nächtlicher Patrouille. Sie haben die Aufgabe den hier florierenden Drogenschmuggel aus Afghanistan einzudämmen. Argwöhnisch inspizieren sie unser Lager. Leider sprechen sie weder englisch noch russisch. Nachdem sie verstanden haben, dass wir aus Deutschland kommen setzen sie sich zu uns. Wir dürfen nicht aufstehen, die Soldaten wirken nervös. Wir bieten ihnen Tee an, sie möchten keinen. Die Situation ist nicht bedrohlich, allerdings seltsam da die Verständigung nahezu vollkommen unmöglich ist. Die Soldaten beginnen uns lustige Videos auf ihrem Handy zu zeigen, wir zeigen ihnen Bilder unserer Reise. Aber auch jetzt noch signalisieren sie uns, dass sie wohl die ganze Nacht hier bleiben werden. Da fällt uns ein Zettel aus unserem Roadbook ein, auf dem in vier Sprachen, unter anderem tadschikisch unser Vorhaben erklärt ist. Wir zeigen ihnen den Text, worauf hin die Anspannung bei ihnen merklich weicht. Sie bedanken sich bei uns allen und es folgt ein aufwändiges Fotoshooting. Kurze Zeit später ziehen die vier im Marschschritt ab. Erleichtert gehen wir ins Bett.

Zurück auf den Pamir Highway

Tag 25 – 27.09.2017

Unser nächtliches Treffen bleibt ohne weitere Folgen. Die Soldaten sind nicht wieder zurück gekommen. Die Temperaturen sind angenehm, hier in nur noch 2000 Meter Höhe. Beim Frühstücken stellen wir fest, dass unsere Vorräte zur Neige gehen. Hat doch besser gepasst als gedacht.

Unser heutiges Ziel heißt Qala-i-Khumb. Dort hin gelangen wir über die M41, die wir ja schon einige Kilometer gefahren sind. Dort müssen wir uns entscheiden wie wir Mittwoch nach Duschanbe fahren, entweder durchs Flachland oder wir bleiben auf der Straße, die uns wieder ins Hochgebirge führt. Durchs Gebirge sparen wir etwa 100 km, die Straße soll jedoch in einem besonders schlechten Zustand sein.

Circa 200km haben wir vor uns, das sollte ja leicht zu bewältigen sein. Falsch gedacht! Hier unten ist der Highway nicht mit dem hinter der Grenze zu vergleichen. Anfangs müssen wir nur auf Schlaglöcher im Asphalt achten, dann fahren wir in eine tiefe Schlucht und die Straßenverhältnisse werden unbeschreiblich schlecht. Dazu sei gesagt, bei dieser Straße handelt es sich um die einzige Verbindung zwischen der Hauptstadt und der Bezirkshauptstadt Khorog. Die Straße ist direkt in den Fels geschlagen. Links geht es steil bergab, unten fließt der Grenzfluss, ein reißendes Gewässer. Zu unsere rechten steigt die Felswand nahezu senkrecht an. Die geschotterten Abschnitt lassen sich einigermaßen befahren. Das Problem ist, dass die Straße einst asphaltiert war. Nun ragen aus der Straße neben Felsen des Untergrundes auch bis zu 20cm hohe Asphaltkanten. Dazu kommen Schlaglöcher, in die ein ganzer Passat fallen könnte. Unsere Ölwannenpanzer werden ordentlich beansprucht. Oft ist die frage nicht, ob man aufsetzt sondern wo man am besten aufsetzen sollte um wenig Schaden anzurichten. Zu dem ganzen Schlamassel ist der Weg auch noch mit Bodenwellen gespickt, die unser Gepäck durchs Auto fliegen lassen. Und das bei unseren arg gebeutelten Dämpfern.

Als die Straßenverhältnisse noch schlechter werden führt dies bei Anna zu einem Lachkrampf, den wir nach einer halben Stunde beenden müssen, indem wir sie ins Büro verbannen. Vom hinteren Sitz (das Büro) bekommt man nicht allzuviel von der Straße mit und Anna kann sich mental wieder fangen. Derweil hören wir auf mitzuzählen wie oft das Auto aussetzt oder die Federn bis in die Anschläge geschlagen werden. Bei Team Hatobar zerlegt es einen Stoßdämpfer an der Hinterachse komplett. Den müssen wir noch schnell raus operieren. Es ist schon unglaublich, was die Autos mitmachen müssen. Es wird dunkel bis wir Qala-i-Khumb erreichen. Unsere Schnittgeschwindigkeit lag unter 20 kmh.

Während dieser Tortur haben wir uns entschlossen, die südliche Route, die in einem guten Zustand sein soll zu nehmen. Der Weg über den Pamir ist zwar reizvoll, aber noch so eine Strecke wollen wir unseren Autos nicht antun. In der Stadt treffen wir die Münchner Kindl wieder, die hier auf uns gewartet haben. Wir werden also mit fünf Autos ins Ziel einlaufen.

Trotz der Dunkelheit entschließen wir uns zu campen. Schlimmer als die letzten zehn Kilometer, die wir gezwungenermaßen im Dunkeln gefahren sind kann es nicht mehr werden. Wir fahren am Fluss entlang, bis wir eine geeignete Stelle gefunden haben. Der Boden ist steinig aber eben. Zu essen gibt es die letzten Konserven, einige sind auf den Pisten leider in unserer Ersatzradmulde geplatzt. Es ist schön wieder ein anderes Team dabei zu haben. In gemütlicher Runde erzählen wir von unseren Erlebnissen, der letzten Wochen.

Auf nach Duschanbe

Tag 26 – 28.09.2017

Der lezte Tag auf Achse bricht an. Heute fahren wir bis Duschanbe! Die Straßen sollen auf der Südroute ganz gut sein und die lezten rund 350 km somit gut zu bewältigen. Nach einem ausgiebigen Frühstück starten wir mit fünf Autos zur letzten Etappe. Auf einer ebenen Schotterpiste starten wir gen Westen. Schon nach einigen Kilometern befahren wir ebenen Asphalt. Bemerkenswert ist, dass man sich ab ca. 80 km/h im Geschwindigkeitsrausch wähnt.

Auf dieser, mit europäischen Verhältnissen durchaus vergleichbaren Straße erwischt Martin einen vom Berg herabgefallenen Stein mit dem rechten Vorderrad. Ergebnis: Ein großes Loch im Reifen. Ausgerechnet hier, auf der besten Straße seit rund einer Woche. Der anschließende Boxenstop dauert nur ca. 5 Minuten und das neue Rad ist moniert. Weiter geht es und wir sehen das erste Minenfeld der Reise, einem Überbleibsel des tadschikischen Bürgerkriegs. Kurz darauf verlassen wir die GBAO, die autonome Republik Berg-Badachschan. Die Grenzer am letzten Checkpoint versorgen uns noch mit Äpfeln, die wir am Straßenrad pflücken und wünschen uns eine gute Reise.

Wir erreichen das deutlich dichter besiedelte Flachland Tadschikistans. Hier gibt es große Städte, Felder, Obst- und Gemüseplantagen. Als wir Kulob, die erste größere Stadt erreichen wird uns eines klar.  Tadschikistan ist Opelland. Im Gebirge hatten wir, wenn überhaupt anderer Verkehr zu sehen war auschließlich Geländewagen gesehen. Hier, wo es normalen Individualverkehr gibt fahren zu mindestens 95% Opel Astra auf der Straße. Es ist etwas bizarr. Diese Astra F und G, allesamt minestens 15 Jahre alt währen in Deutschland vermutlich längst dem Rost zum Opfer gefallen. Hier im Trockenen sind sie das Statussymbol des Tadschiken.

Wir liegen gut in der Zeit und kehren mittags noch in ein lokal ein. Der Wirt erklärt uns, es gibt heute nur zwei Gerichte. Huhn und Hammel. Wir bestellen, was es gibt und erleben den Gipfel der Fleisch mit Zwiebelkultur. Es gibt gegrillte Fleischbrocken und dazu rohe Zwiebeln und eine Tasse Tee. Die kulinarische Finesse des Landes hält sich scheinbar schwer in Grenzen. Frisch gestärkt treten wir unsere letzte Etappe an, auf nach Duschanbe.

Dort angekommen treffen wir Stephan von der Rallyorganisation im Caritas Germany Büro. Wir versorgen uns mit Vorräten für den Abend und machen uns auf zur Ziellinie am Edem Resort, ca. 50 km nördlich der Hauptstadt. Erschöpft aber glücklich erreichen wir diese im Dunkeln. Wir haben es geschafft! Nach über 11.000 km haben wir unser Ziel ohne größere Probleme erreicht.

Ein gelungener Abschluss

Nachdem wir Mittwochs an der Ziellinie im Edem Resort ankamen ist noch einiges passiert. Der Donnerstag stand ganz im Zeichen der Abschlussfeier. Zunächst stand das Aus- und wieder Einräumen der Fahrzeuge auf dem Plan. Der gesamte Inhalt, der uns die letzten Wochen im wahrsten Sinne des Wortes umgeben hat wurde sortiert. Es entstanden verschiedene Berge. Die gesamte Campingausrüstung geht an die Organisation ZUMRAD, die unter anderem Tadschikischen Waisenkindern eine Ausbildung zum Bergführer ermöglicht. Die Lebensmittel und Kleidungsstücke, die nicht wieder mit nach Hause kommen werden direkt der Caritas in Duschanbe gespendet. Weitere Ausrüstung wie Werkzeug, Reifen, Motoröl und so weiter gingen ebenfalls an die Caritas, die diese veräußert und den Gewinn für ihre Projekte einsetzt. Außerdem entstand ein beachtlicher Berg an Müll.

Im Weiteren Verlauf des Tages stand Entspannung auf dem Tagesplan. Der eine verbrachte den Tag im Bett oder in der Sauna, der andere wagte einen Sprung in den erfrischend kalten Bergsee. Es wurden Fotos und Geschichten ausgetauscht und viel gelacht. Gegen 16 Uhr waren wir zu einem kleinen Vortrag eingeladen, in dem die verschiedenen Projekte der Caritas Deutschland vorgestellt wurden. Die Spendenerlöse, die in diesem Jahr übrigens alle Rekorde gebrochen haben, fließen in Projekte die Menschen mit Behinderung, aber auch Waisenkindern und alleingebliebenen älteren Menschen in Tadschikistan zu Gute kommen. Während dieses Vortrags wurde die Problematik, die hier vielfach durch kulturelle Hürden und wenig Aussicht auf Arbeit im Land ausgelöst wird ein Stück weit bewusst. Wir sind froh, einen kleine Beitrag zur Untertstütung der Menschen im Land geleistet zu haben.

Im Anschluss folgte der offizielle Abschluss der Rally. Alle Teams präsentierten kurz ihr persönliches Highlight der Tour und wurden mit einer offiziellen Urkunde ausgezeichnet. Mit traditioneller Musik wurde die Ziellinienfeier eingeläutet. Zu reichlich typisch tadschikischen Speisen und Getränken (Vodka) feierte wir bis es in der Nacht zu regnen begann. Es wirkte als hätte uns das Wetter auf der gesamten Reise vor diesem straßenaufweichendem Nass verschont. Jetzt, am Ziel erlebten wir einen ordentlichen Platzregen, den ersten seit über drei Wochen.

Quitschfidel erheben wir Freitag morgen unsere rallygebeutelten Körper aus den Betten. Es wird Zeit nach Duschanbe aufzubrechen und den letzten Akt zu vollziehen. Den Autoverkauf. Nachdem wir unsere Sachspenden zur Caritas gebracht haben und sechs Fahrzeughalter erfolglos versucht haben ihre Autos per Onlinefunkion in Deutschland abzumelden (hier kann die deutsche Bürokratie auch noch etwas nachholen), bringen wir die Fahrzeuge zu einem bewachten Parkplatz, wo sie schon von Kaufinteressenten in Augenschein genommen werden. Wir teilen uns in zwei Gruppen auf. Die Fahrzeughalter dürfen beim tadschikischen Notariat vorsprechen, sie müssen die Aut0s überschreiben, alle anderen genießen eine Stadtführung durch Duschanbe. Nach einem, für beide Gruppen mehr oder weniger amüsanten Nachmittag treffen wir uns im Irish Pub im Herzen der Stadt zur letzten gemeinsamen Runde.

 

Um 02:20 Uhr lokaler Zeit geht für die meisten der Flieger mit Somon Air in die Heimat, da lohnt sich eine weitere Übernachtung nicht. Nachdem wir problemlos durch die Sicherheitskontrollen kommen (wir haben weder Landminen, noch Handgranaten oder Streitäxte im Handgepäck) steigen wir erschöpft ins Flugzeug. Pünktlich um 0625 Uhr betreten wir deutschen Boden.

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