Bildervortrag am 23.11. im Gemeindesaal in Holzerath

Wir konnten im Vorfeld der Rally unglaubliche 1875 Euro an Spenden für die Caritas International sammeln. Ein großer Teil der Spenden kam von Holzerather Bürgern. Als kleines Dankeschön wollen wir euch die schönsten Eindrücke unserer Reise in einem Bildervortrag zeigen und von unserer Reise berichten. Dazu laden wir am Samstag, den 23.11. um 17:00 Uhr in den Gemeindesaal in Holzerath ein. Wir freuen uns auf zahlreiche Besucher.

Advertisements

Rally Kalender 

Auf der Facebook Seite des Veranstalters findet derzeit eine Abstimmung statt, in der die schönsten Fotos aller Teilnehmer in einen Bilderkalender 2018 gewählt werden. Es sind einige sehr gelungene Schnappschüsse dabei. Schaut’s euch mal an und stimmt kräftig mit!

Hier geht’s zur Homepage:

Facebook Abstimmung

Die Postkartenaktion

An alle die bei der Postkartenaktion mitgemacht haben. Uns wurde vom versenden der Postkarten aus Tadschikistan, auf Grund einer sehr unzuverlässigen tadschikischen Post abgeraten. Deshalb haben wir uns dazu entschieden die Postkarten in Bischkek (Kirgisistan) und Dushanbe (Tadschikistan) zu kaufen und von Deutschland aus zu verschicken.
Wir bitten um euer Verständnis.

Ein gelungener Abschluss

Nachdem wir Mittwochs an der Ziellinie im Edem Resort ankamen ist noch einiges passiert. Der Donnerstag stand ganz im Zeichen der Abschlussfeier. Zunächst stand das Aus- und wieder Einräumen der Fahrzeuge auf dem Plan. Der gesamte Inhalt, der uns die letzten Wochen im wahrsten Sinne des Wortes umgeben hat wurde sortiert. Es entstanden verschiedene Berge. Die gesamte Campingausrüstung geht an die Organisation ZUMRAD, die unter anderem Tadschikischen Waisenkindern eine Ausbildung zum Bergführer ermöglicht. Die Lebensmittel und Kleidungsstücke, die nicht wieder mit nach Hause kommen werden direkt der Caritas in Duschanbe gespendet. Weitere Ausrüstung wie Werkzeug, Reifen, Motoröl und so weiter gingen ebenfalls an die Caritas, die diese veräußert und den Gewinn für ihre Projekte einsetzt. Außerdem entstand ein beachtlicher Berg an Müll.

Im Weiteren Verlauf des Tages stand Entspannung auf dem Tagesplan. Der eine verbrachte den Tag im Bett oder in der Sauna, der andere wagte einen Sprung in den erfrischend kalten Bergsee. Es wurden Fotos und Geschichten ausgetauscht und viel gelacht. Gegen 16 Uhr waren wir zu einem kleinen Vortrag eingeladen, in dem die verschiedenen Projekte der Caritas Deutschland vorgestellt wurden. Die Spendenerlöse, die in diesem Jahr übrigens alle Rekorde gebrochen haben, fließen in Projekte die Menschen mit Behinderung, aber auch Waisenkindern und alleingebliebenen älteren Menschen in Tadschikistan zu Gute kommen. Während dieses Vortrags wurde die Problematik, die hier vielfach durch kulturelle Hürden und wenig Aussicht auf Arbeit im Land ausgelöst wird ein Stück weit bewusst. Wir sind froh, einen kleine Beitrag zur Untertstütung der Menschen im Land geleistet zu haben.

Im Anschluss folgte der offizielle Abschluss der Rally. Alle Teams präsentierten kurz ihr persönliches Highlight der Tour und wurden mit einer offiziellen Urkunde ausgezeichnet. Mit traditioneller Musik wurde die Ziellinienfeier eingeläutet. Zu reichlich typisch tadschikischen Speisen und Getränken (Vodka) feierte wir bis es in der Nacht zu regnen begann. Es wirkte als hätte uns das Wetter auf der gesamten Reise vor diesem straßenaufweichendem Nass verschont. Jetzt, am Ziel erlebten wir einen ordentlichen Platzregen, den ersten seit über drei Wochen.

Quitschfidel erheben wir Freitag morgen unsere rallygebeutelten Körper aus den Betten. Es wird Zeit nach Duschanbe aufzubrechen und den letzten Akt zu vollziehen. Den Autoverkauf. Nachdem wir unsere Sachspenden zur Caritas gebracht haben und sechs Fahrzeughalter erfolglos versucht haben ihre Autos per Onlinefunkion in Deutschland abzumelden (hier kann die deutsche Bürokratie auch noch etwas nachholen), bringen wir die Fahrzeuge zu einem bewachten Parkplatz, wo sie schon von Kaufinteressenten in Augenschein genommen werden. Wir teilen uns in zwei Gruppen auf. Die Fahrzeughalter dürfen beim tadschikischen Notariat vorsprechen, sie müssen die Aut0s überschreiben, alle anderen genießen eine Stadtführung durch Duschanbe. Nach einem, für beide Gruppen mehr oder weniger amüsanten Nachmittag treffen wir uns im Irish Pub im Herzen der Stadt zur letzten gemeinsamen Runde.

 

Um 02:20 Uhr lokaler Zeit geht für die meisten der Flieger mit Somon Air in die Heimat, da lohnt sich eine weitere Übernachtung nicht. Nachdem wir problemlos durch die Sicherheitskontrollen kommen (wir haben weder Landminen, noch Handgranaten oder Streitäxte im Handgepäck) steigen wir erschöpft ins Flugzeug. Pünktlich um 0625 Uhr betreten wir deutschen Boden.

Auf nach Duschanbe

Der lezte Tag auf Achse bricht an. Heute fahren wir bis Duschanbe! Die Straßen sollen auf der Südroute ganz gut sein und die lezten rund 350 km somit gut zu bewältigen. Nach einem ausgiebigen Frühstück starten wir mit fünf Autos zur letzten Etappe. Auf einer ebenen Schotterpiste starten wir gen Westen. Schon nach einigen Kilometern befahren wir ebenen Asphalt. Bemerkenswert ist, dass man sich ab ca. 80 km/h im Geschwindigkeitsrausch wähnt.

Auf dieser, mit europäischen Verhältnissen durchaus vergleichbaren Straße erwischt Martin einen vom Berg herabgefallenen Stein mit dem rechten Vorderrad. Ergebnis: Ein großes Loch im Reifen. Ausgerechnet hier, auf der besten Straße seit rund einer Woche. Der anschließende Boxenstop dauert nur ca. 5 Minuten und das neue Rad ist moniert. Weiter geht es und wir sehen das erste Minenfeld der Reise, einem Überbleibsel des tadschikischen Bürgerkriegs. Kurz darauf verlassen wir die GBAO, die autonome Republik Berg-Badachschan. Die Grenzer am letzten Checkpoint versorgen uns noch mit Äpfeln, die wir am Straßenrad pflücken und wünschen uns eine gute Reise.

Wir erreichen das deutlich dichter besiedelte Flachland Tadschikistans. Hier gibt es große Städte, Felder, Obst- und Gemüseplantagen. Als wir Kulob, die erste größere Stadt erreichen wird uns eines klar.  Tadschikistan ist Opelland. Im Gebirge hatten wir, wenn überhaupt anderer Verkehr zu sehen war auschließlich Geländewagen gesehen. Hier, wo es normalen Individualverkehr gibt fahren zu mindestens 95% Opel Astra auf der Straße. Es ist etwas bizarr. Diese Astra F und G, allesamt minestens 15 Jahre alt währen in Deutschland vermutlich längst dem Rost zum Opfer gefallen. Hier im Trockenen sind sie das Statussymbol des Tadschiken.

Wir liegen gut in der Zeit und kehren mittags noch in ein lokal ein. Der Wirt erklärt uns, es gibt heute nur zwei Gerichte. Huhn und Hammel. Wir bestellen, was es gibt und erleben den Gipfel der Fleisch mit Zwiebelkultur. Es gibt gegrillte Fleischbrocken und dazu rohe Zwiebeln und eine Tasse Tee. Die kulinarische Finesse des Landes hält sich scheinbar schwer in Grenzen. Frisch gestärkt treten wir unsere letzte Etappe an, auf nach Duschanbe.

Dort angekommen treffen wir Stephan von der Rallyorganisation im Caritas Germany Büro. Wir versorgen uns mit Vorräten für den Abend und machen uns auf zur Ziellinie am Edem Resort, ca. 50 km nördlich der Hauptstadt. Erschöpft aber glücklich erreichen wir diese im Dunkeln. Wir haben es geschafft! Nach über 11.000 km haben wir unser Ziel ohne größere Probleme erreicht.

Zurück auf den Pamir Highway 

 

Unser nächtliches Treffen bleibt ohne weitere Folgen. Die Soldaten sind nicht wieder zurück gekommen. Die Temperaturen sind angenehm, hier in nur noch 2000 Meter Höhe. Beim Frühstücken stellen wir fest, dass unsere Vorräte zur Neige gehen. Hat doch besser gepasst als gedacht.

Unser heutiges Ziel heißt Qala-i-Khumb. Dort hin gelangen wir über die M41, die wir ja schon einige Kilometer gefahren sind. Dort müssen wir uns entscheiden wie wir Mittwoch nach Duschanbe fahren, entweder durchs Flachland oder wir bleiben auf der Straße, die uns wieder ins Hochgebirge führt. Durchs Gebirge sparen wir etwa 100 km, die Straße soll jedoch in einem besonders schlechten Zustand sein.

Circa 200km haben wir vor uns, das sollte ja leicht zu bewältigen sein. Falsch gedacht! Hier unten ist der Highway nicht mit dem hinter der Grenze zu vergleichen. Anfangs müssen wir nur auf Schlaglöcher im Asphalt achten, dann fahren wir in eine tiefe Schlucht und die Straßenverhältnisse werden unbeschreiblich schlecht. Dazu sei gesagt, bei dieser Straße handelt es sich um die einzige Verbindung zwischen der Hauptstadt und der Bezirkshauptstadt Khorog. Die Straße ist direkt in den Fels geschlagen. Links geht es steil bergab, unten fließt der Grenzfluss, ein reißendes Gewässer. Zu unsere rechten steigt die Felswand nahezu senkrecht an. Die geschotterten Abschnitt lassen sich einigermaßen befahren. Das Problem ist, dass die Straße einst asphaltiert war. Nun ragen aus der Straße neben Felsen des Untergrundes auch bis zu 20cm hohe Asphaltkanten. Dazu kommen Schlaglöcher, in die ein ganzer Passat fallen könnte. Unsere Ölwannenpanzer werden ordentlich beansprucht. Oft ist die frage nicht, ob man aufsetzt sondern wo man am besten aufsetzen sollte um wenig Schaden anzurichten. Zu dem ganzen Schlamassel ist der Weg auch noch mit Bodenwellen gespickt, die unser Gepäck durchs Auto fliegen lassen. Und das bei unseren arg gebeutelten Dämpfern.

Als die Straßenverhältnisse noch schlechter werden führt dies bei Anna zu einem Lachkrampf, den wir nach einer halben Stunde beenden müssen,  indem wir sie ins Büro verbannen. Vom hinteren Sitz (das Büro) bekommt man nicht allzuviel von der Straße mit und Anna kann sich mental wieder fangen. Derweil hören wir auf mitzuzählen wie oft das Auto aussetzt oder die Federn bis in die Anschläge geschlagen werden. Bei Team Hatobar zerlegt es einen Stoßdämpfer an der Hinterachse komplett. Den müssen wir noch schnell raus operieren. Es ist schon unglaublich, was die Autos mitmachen müssen. Es wird dunkel bis wir Qala-i-Khumb erreichen. Unsere Schnittgeschwindigkeit lag unter 20 kmh.

Während dieser Tortur haben wir uns entschlossen, die südliche Route, die in einem guten Zustand sein soll zu nehmen. Der Weg über den Pamir ist zwar reizvoll, aber noch so eine Strecke wollen wir unseren Autos nicht antun. In der Stadt treffen wir die Münchner Kindl wieder, die hier auf uns gewartet haben. Wir werden also mit fünf Autos ins Ziel einlaufen.

Trotz der Dunkelheit entschließen wir uns zu campen. Schlimmer als die letzten zehn Kilometer, die wir gezwungenermaßen im Dunkeln gefahren sind kann es nicht mehr werden. Wir fahren am Fluss entlang, bis wir eine geeignete Stelle gefunden haben. Der Boden ist steinig aber eben. Zu essen gibt es die letzten Konserven, einige sind auf den Pisten leider in unserer Ersatzradmulde geplatzt. Es ist schön wieder ein anderes Team dabei zu haben. In gemütlicher Runde erzählen wir von unseren Erlebnissen, der letzten Wochen.

Ein interessantes Rendezvous 

Am Morgen sind wir früh wach,wir stellen zum letzten Mal die Uhr um. Von der inoffiziellen Pamirzeit zur offiziellen Tadschikistan Zeit. Da wir zwei Stunden bis zum Frühstück haben lassen wir es uns nicht nehmen noch mal in die Quellen zu springen. Zum Frühstück gibt es heute Rührei und Bratwurst. Dazu Brot und frische Butter. Das gefällt schon besser als das letzte traditionelle Frühstück.

Wir machen uns auf den Weg, denn heute wollen wir es bis hinter Korogh schaffen. Das sind zwar keine 200km, aber die Straßen werden sich wohl nicht bessern.

Durch zahllose kleine Dörfer führt die Straße immer am Grenzfluss entlang. Die Menschen hier leben von Ackerbau und Viehzucht. Am Wegesrand wird Korn von Hand gedroschen, Ochsengespanne pflügen die abgeernteten Äcker. Ab und zu sieht man einen Traktor. Überall werden wir freundlich gegrüßt.

Gegen Mittag erreichen wir einen Grenzmarkt. Der hat leider nur samstags geöffnet, somit verfällt unsere Chance afghanischen Boden zu betreten. Im nächsten Ort kehren wir in ein kleines Restaurant ein. Zwar ist die Speisekarte lang, aber der Wirt erklärt uns, es gibt Blov. Also essen wir wieder Reis mit Gemüse und Fleisch (Blov).

Wir fahren weiter Richtung Korogh, da hat Johnny seine erste „Panne“. Der originale Unterfahrschutz hat sich inzwischen in Wohlgefallen aufgelöst und der Öhlwannenpanzer hat sich nach einem heftigeren Einschlag gelöst. Also das Auto auf Steinen aufbocken und wieder hoch hängen. Das Teil ist hier überlebenswichtig! Korogh erreichen wir um kurz nach fünf. Die Banken hier schließen um fünf und sind die einzige Möglichkeit an Somoni, die lokale Währung zu gelangen. Mit USD kann man zwar viel bezahlen, aber man bekommt schlechte Wechselkurse. In manchen Läden werden sie gar nicht akzeptiert. Der einzige internationale Geldautomat zeigt den Windows Blues regen. Also bekommen wir auch keine SIM Karte und Martin muss weiter Blogbeiträge offline vorschreiben.

Bis wir getankt haben sind mal wieder zwei Stunden vergangen und es wird dunkel. Schade, eigentlich wollten wir heute weiter kommen. Im Dunkeln suchen wir kurz hinter der Stadt einen geeigneten Platz zum Übernachten. Wir finden eine Abfahrt von der Straße und auch eine ebene Fläche. Die ist zwar total vermüllt, aber bei den hiesigen Straßenverhältnissen ist an eine Weiterfahrt im Dunkeln nicht zu denken.

Wir kochen Safranreis mit 5g kirgisichem Safran (die Mindestabnahme waren 10g) mit Dosenfleisch und Gemüse. Klingt zwar wie Blov, schmeckt aber besser. Als wir ca. zwei Stunden in gemütlicher Runde sitzen tauchen aus der Dunkelheit vier Gestalten mit Kalashnikovs auf. Wir begrüßen sie herzlich, denn dieser Besuch wurde uns schon von der Rallyorganisation angekündigt.

 

Es sind tadschikische Soldaten auf nächtlicher Patrouille. Sie haben die Aufgabe den hier florierenden Drogenschmuggel aus Afghanistan einzudämmen. Argwöhnisch inspizieren sie unser Lager. Leider sprechen sie weder englisch noch russisch. Nachdem sie verstanden haben, dass wir aus Deutschland kommen setzen sie sich zu uns. Wir dürfen nicht aufstehen, die Soldaten wirken nervös. Wir bieten ihnen Tee an, sie möchten keinen. Die Situation ist nicht bedrohlich, allerdings seltsam da die Verständigung nahezu vollkommen unmöglich ist. Die Soldaten beginnen uns lustige Videos auf ihrem Handy zu zeigen, wir zeigen ihnen Bilder unserer Reise. Aber auch jetzt noch signalisieren sie uns, dass sie wohl die ganze Nacht hier bleiben werden. Da fällt uns ein Zettel aus unserem Roadbook ein, auf dem in vier Sprachen, unter anderem tadschikisch unser Vorhaben erklärt ist. Wir zeigen ihnen den Text, worauf hin die Anspannung bei ihnen merklich weicht. Sie bedanken sich bei uns allen und es folgt ein aufwändiges Fotoshooting. Kurze Zeit später ziehen die vier im Marschschritt ab. Erleichtert gehen wir ins Bett.

 

Der Wakhan Korridor 

Nach unserer bisher kältesten Nacht, das Thermometer ist über Nacht auf minus fünf Grad gefallen, wachen wir alle, geweckt von der Sonne früh auf. Allerdings zieht sich das morgendliche Treiben in die Länge. Die Kälte und der eisige Wind machen uns etwas zu schaffen. Tagsüber waren es noch knapp dreißig Grad. Das Wetter hier oben ist schon gewöhnungsbedürftig.

Wir starten trotzdem zeitig, denn wir wollen heute weit kommen, nur der Weg steht noch nicht ganz fest. Es gibt zwei Alternativen. Entweder im Hochgebirge bleiben, oder einen Schlenker nach Süden machen. Der zweite Weg führt und dann durch den so genannten Wakhan Korridor, direkt an der afghanischen Grenze entlang. Fraglich ist allerdings, ob der Pass befahrbar ist, die Bedingungen sollen sich hier oft ändern. Wir bevorzugen jedoch diese Route, da wir sonst wohl schon Dienstag Duschanbe erreichen.

Die Passstraße ist als solche erst mal schwer zu erkennen. In der Einöde sind einige Fahrspuren zu erkennen, das wars. Wir versuchen es trotzdem. Mit unseren äußerst geländegängigen Boliden erklimmen wir den Pass in 4300 Metern Höhe trotz widriger Straßenverhältnisse relativ problemlos. Am Pass treffen wir ein paar Jäger, die Marco Polo Schafe jagen wollen. Sie meinen die Straßen ins Tal seien verhältnismäßig gut. Wir entschließen uns ins Tal zu fahren.

Nach wenigen Kilometern erreichen wir einen tadschikischen Grenzposten. Die Grenze nach Afghanistan ist keinen Steinwurf mehr entfernt. Nachdem unsere Passdaten mal wieder auf weißen DIN a4 Seiten notiert wurden können wir unsere Reise fortsetzen. Zu unserer linken erstreckt sich der Hindukusch, zur rechten der Pamir. Und wir mitten drin!

 

Die Straße ist befahrbar, mehr Lob ist nicht zu verlieren. Das Panorama allerdings ist wunderschön. Teils führt die Straße direkt am Ufer entlang, teils gleicht die Landschaft dem Grand Canyon. Der Weg ist direkt in den Fels geschlagen,teils von Geröll bedeckt. Ca. 80 km, also vier Stunden nach dem Grenzposten erreichen wir eine oasenähnliche Landschaft und die ersten Dörfer. Wir sind inzwischen nur noch etwa 3000 Meter hoch. Es wachsen wieder hohe Bäume, hier wird Getreide angebaut, es wächst Obst und Gemüse. Die Menschen an der Straße begrüßen uns fröhlich. Es sieht wieder nach Zivilisation aus,die erste die wir in Tadschikistan sehen. Auffallend ist die Sauberkeit in den Dörfern. Es herrscht eine bemerkenswerte Gegenlichtstimmung, als wir bei tief stehender Sonne gen Westen fahren. Im gesamten Tal liegt ein feiner Staub in der Luft. Vorrausfahrende Fahrzeuge verschwinden einfach in ihrer eigenen Staubwolke. Durch die Sonne fährt man auf eine helle Wand zu.

Unser heutiges Tagesziel sind die heißen Quellen von Bibi Fotima. Wir kämpfen uns noch einmal acht Kilometer den Berg hinauf bis wir die Quellen erreichen. Als wir ankommen ist es acht Uhr. Wir haben nach zehn Stunden Fahrt ohne längere Pausen ca. 200 km zurückgelegt. Die Anstrengungen haben sich aber definitiv gelohnt.

 

Wir finden ein kleines Hotel direkt neben den Quellen. Der Inhaber erklärt uns das Bad sei geschlossen, er könne es uns aber aufschließen lassen. Das lassen wir uns nicht zwei mal sagen. Vor dem Essen springen wir noch eine halbe Stunde in das warme Naturbad. Aus dem Fels strömt ein schnell fließender, ca. 40 Grad warmer Bach in mehrere Becken. Was für ein Genuss.

Der Ak-Baital Pass

Am Morgen müssen wir einige Leiden erleiden. Wir haben zu neunt in einem kleinen Raum auf Teppichen geschlafen. Die einen leiden unter Schlafmangel, aufgrund der nächtlichen Lautstärke (Grüße an Team Boozebrothers), die andern haben Rücken oder leiden noch immer an Höhenkrankheit. Auch das tadschikische Frühstück kann uns nicht so recht munter machen. Ein Teller Milchreis und ein Stück trockenes Brot. Andere Länder, andere Sitten.

Wir brechen auf und machen gleich am Karakul See Halt. Ein fantastischer Anblick bietet sich uns. Der See strahlt tiefblau vor einer wirklich kitschigen Gebirgskulisse. Wir nutzen die Gelegenheit und füllen unsere Wasservorräte auf und machen uns auf den Weg nach Murghab, der ersten Stadt in Tadschikistan am Pamir Highway. Das Wort Highway hat übrigens nichts mit dem amerikanischen Highway zu tun, sondern damit, dass er zum größten Teil auf über 4000 Meter Höhe verläuft.

Halbwegs intakte,  asphaltierte Abschnitte wechseln sich mit katastrophalen Waschbrettpisten ab. Die chinesische Grenze immer in Sichtweite schlängelt sich der Highway durch die schneebedeckten Berge, die hier auf über 6000 Meter reichen.

Auf halber Strecke kommt uns ein Geländewagen entgegen, er gibt uns Lichthupe und blockiert uns den Weg. Heraus springt der Offizier der gestern  mit unseren Papieren nach Murghab aufgebrochen ist. Offenbar wieder trampend und gut gelaunt. Er hat schon alles vorbereitet, wir müssen nur noch unterschreiben. Dann zahlen wir eine Gebühr von 25 Dollar pro Fahrzeug und tauschen unsere Papiere gegen seinen Pass. Alles ganz einfach.Im Nachhinein betrachtet ist das eine Geschichte, die aus einem schlechten Traum stammen könnte.

Kurze Zeit später erreichen wir den zweithöchsten Pass der Welt. Der Ak – Baital führt uns in 4655 Meter Höhe. Zum Glück sind die Straßen in einem akzeptablen Zustand und die Autos kommen problemlos nach oben. An einem Hang grast eine Herde Yaks. Irgendwie verrückte Welt hier.

 

Auf dem weiteren Weg bessert sich die Straße. Fast vollständig asphaltiert und in ungewohnt gutem Zustand. Einmal fehlt eine Brücke, aber das ist schon Jammern auf hohem Niveau. Wir erreichen Murghab ohne Probleme und sind etwas erstaunt, was man hier unter Stadt versteht. Eine Lose Ansammlung von Hütten, aber es gibt alles, was man zum Leben braucht. Ein Lenindenkmal, eine Post, eine Polizei, drei Banken, mindestens drei „Tankstellen“ und ein Hotel mit Restaurant. Dieses Suchen wir umgehend auf, das Frühstück war doch sehr karg. Es gibt Plov und Suppe. Seit langem besteht die regionale Küche mal nicht aus Fleisch mit Zwiebeln, sondern aus Reis, Gemüse und etwas Schaf. Sehr gut!

Nach dem Essen tanken wir 92 Oktan Benzin, die weiteren Details dieser Aktion bleiben einem Gespräch in keiner Runde vorenthalten. Unsere Versuche Post-und SIM Karten zu erwerben und Geld zu wechseln scheitern an dem Umstand, dass Wochenende ist. Wir machen uns wieder auf den Weg, solange bis die Sonne untergeht. Noch im Hellen schlagen wir unser Lager auf. Der Wind pfeift eisig durch das Tal und wir fallen früh ins Bett. Wir waren heute den ganzen Tag in über 4000 Meter Höhe. Das schlaucht!

Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass der Sternenhimmel hier noch imposanter ist, als in der Wüste. Wir sind sicher 300 km von der nächsten Straßenlaterne entfernt und die Milchstraße erstrahlt in ihrer ganzen Pracht.

 

Willkommen in Tadschikistan! 

Am Morgen bekommen wir Besuch. Unsere Nachbarn bringen uns frische Stutenmilch, Brot und eine Art Creme Fraiche, auch aus Stutenmilch vorbei. Außerdem eine Art kugelförmig Trockenkäse. Wir probieren natürlich alles, was uns angeboten wird. Die Milch ist zum Glück frischer als die, die wir vor zwei Tagen probiert hatten. Sie schmeckt gut, man munkelt sie hat den einen oder anderen Kater vertrieben. Die Käsekugeln schmecken salzig sauer. Außerdem saugen sie jede Flüssigkeit aus dem Mund. Gewöhnungsbedürftig, aber nach kurzer Zeit durchaus lecker.

Wir verabschieden uns von unseren Gastgebern und machen uns auf Richtung Grenze. Die wesentlich steiferen Federn der Hinterachse machen sich sofort positiv bemerkbar. Wir setzen auf den Feldwegen wesentlich seltener auf. Als wir die ersten Berge erklimmen fängt es an zu regnen. Das hatten wir nicht mehr seit Transilvanien. Außerdem ist hier wieder eine Grünfärbung des Grases zu erkennen.

Der erste Pass, den wir heute überfahren liegt in 3600 Metern. Eine Höhe bei der, der Leistungsverlust der Fahrzeuge schon deutlich zu spüren ist. Im zweiten Gang schleppen sich die Autos den Berg hinauf, erreichen den Pass auf guten, geteerten Straßen noch ohne Probleme. Wir erreichen eine Hochebene, die in ca. 3000 Metern liegt und tanken ein letztes Mal für die nächsten 800 km voll. Hier gibt es leider nur 80 Oktan Benzin. Zusammen mit dem, was wir noch im Tank haben sollte das Gemisch aber noch ca. 91 Oktan aufweisen. Wir erwarten keine Probleme.

Wir biegen auf die Grenzstraße ab, vor uns Reihen sich die schneebedeckten Gipfel des Transalai Gebirges auf. Ein wunderschöner Anblick. Wir nutzen die Gelegenheit um ein Gruppenfoto vor solch pathetischer Kulisse zu machen. Auf immer schlechter werdenden Straßen erreichen wir die kirgisische Seite der Grenze. Die Ausreise verläuft unproblematisch, danach beginnt der Fahrspaß. Eine ehemals asphaltierte Straße führt 20km lang über einen 4300m hohen Pass zur Grenze. Die Beschreibung „Straße“ ist deutlich übertrieben. Schlaglöcher werden von Steinen, Felsen Asphaltanhäufungen abgewechselt. An einer Stelle musste die Straße einem Bach weichen. Schon bald ist nur noch eine Schotterpiste übrig. Wir lassen etwas Luft aus den Reifen, denn oft genug haben wir zu wenig Grip auf dem staubigen Untergrund. Steilere Passagen sind nur noch im ersten Gang befahrbar, man muss immer darauf achten, dass die Drehzahl hoch genug bleibt, dass der Motor noch ausreichend leisted. Nachdem wir ein paar mal hängen geblieben sind erreichen wir den Pass, kurz darauf die Tadschikische Seite der Grenze.

Jetzt geht die Suche nach Passierschein A38 los. Nachdem wir den Stempel im Pass haben müssen wir es schaffen drei Dokumente für das Fahrzeug zu bekommen. Wir werden von einer Baracke zur nächsten geschickt, es beginnt mit einer Quarantäne Station,was die bezweckt bleibt unklar, sie kostet aber 15 Dollar. Weiter geht’s zum Tierarzt, der händigt uns nach Vorlage des ersten Dokuments und zwei Dollar Bearbeitungsgebühr einen weiteren Zettel aus. Mit beiden zusammen geht’s in die dritte Baracke. Hier bekommen wir für fünf Dollar einen weiteren Zettel. Der Herr zieht sich eine Gasmaske an, schnallt sich eine Sprühflasche um und marschiert zu unseren Autos. Offenbar ist er für die Desinfektion der Reifen zuständig. Wäre das schon mal erledigt. Es ist ca. eine Stunde vergangen als wir das Transport Police „Büro“ erreicht haben. Während dessen haben sich diverse Zöllner ca. fünf Flaschen Bier von uns geschnorrt. Im Büro zahlen wir die Road Tax, vermuten wir zumindest. Hier kann keiner auch nur ein bisschen Englisch. Interessant ist, dass nach jeder der einzelnen Zahlungen der Satz „Welcome to Tadschikistan“ fällt. Aus unserem Roadbook wissen wir, wir brauchen drei Dokumente. Zwei haben wir bereits. Das wichtigste, das temporäre Importformular, fehlt noch.

Also auf zur letzten Baracke, zum Zoll. Hier spricht immerhin jemand ein paar Wörter englisch. Jetzt wird es spannend. Die Zöllner haben keine Formulare mehr. Und jetzt? Der Tadschike ist da ganz pragmatisch! Der Zöllner erklärt uns, dass wir ihn mitnehmen nach Karakul, dem nächsten Ort. Von da aus fährt er weiter nach Murghab, der wieder nächsten Stadt, holt neue Formulare und wartet dort auf uns. Klingt machbar. Dann kommt der Haken. Die Beamten behalten die Pässe der Fahrzeughalter und die Fahrzeugscheine ein, als Pfand quasi. Das ist für uns natürlich der Horror. Ohne Papiere in einem zentralasiatischem Land? Geht nicht! Wir versuchen eine Quittung für unsere Pässe zu erhalten, das ist nicht möglich. Nach einigen Verhandlungen wird der Zöllner, der uns begleiten wird einsichtig. Als Pfand erhalten wir seinen Offiziersausweis und diverse andere Papiere von ihm. Das führt immerhin zu einer Pattsituation. Da es inzwischen dämmert ist das die einzige Lösung wenn wir nicht am Grenzübergang übernachten wollen.

Während die Sonne hinter den Bergen verschwindet hören wir ein letztes Welcome to Tadschikistan und verlassen die Grenze. Jetzt lernen wir erstmals, was eine echte Waschbrettpiste ist. Auf dem welligen Untergrund rappelt das Auto ab Schrittgeschwindigkeit derart, dass einem Angst und Bange wird. Nach kurzer Zeit lösen sich Schrauben der Innenverkleidung, die Türen vibrieren derart, dass man durch den Türspalt schauen kann. Nebenbei bemerken wir, dass wir ca. fünfzig Meter am Grenzzaun nach China entlang fahren. Nach einigen Kilometern Tortur wird aus der Piste wieder so etwas wie eine Straße. Mit den üblichen Symptomen: Schlaglöcher, Asphalthügel, fehlende Abschnitte. Auf dieser traumhaften Straße machen wir die 10.000 km seit Hohentann voll. Im dunklen erreichen wir Karakul, den ersten Ort hinter der Grenze und checken in einem Homestay ein. Wir bekommen traditionelle Kost, die uns nach einem anstrengenden Tag sehr gut schmeckt. Einige leiden unter leichten Symptomen der Höhenkrankheit, hauptsächlich Kopfschmerzen und extremer Müdigkeit. Unser Quartier liegt auf 4000 Metern. Erschöpft fallen wir ins Bett.

Bleibt die Frage, was passiert mit unseren Papieren?